Heinz Glässgen

16. März 2017 im Metropolis Kino Hamburg

Rede zum 100. Geburtstag von Gordian Troeller

 
Sehr geehrte Frau Becker-Ross, meine sehr verehrten Damen und Herren,

„Wenn die Irrtümer verbraucht sind“. Das ist der Titel des letzten Films von Gordian Troeller für Radio Bremen. Er wurde im August 1999 ausgestrahlt. Da war ich zwar schon zum Intendanten des Senders gewählt. Angetreten bin ich aber erst am 1. Oktober 1999. Gordian Troeller und ich sind uns also im Sender nie begegnet. Er war von der größten Krise in der Geschichte des Senders auch nicht mehr direkt betroffen und deshalb auch nicht zur Vermeidung einer Insolvenz von den radikalen Einschnitten leider auch mit Kürzungen im Programm. Nach einem Beschluss der Ministerpräsidenten vom November 1999 wurden dem Sender nämlich innerhalb kurzer Zeit an die 40 Prozent der Einnahmen gestrichen.
In gewisser Weise, aber eben nur in gewisser Weise, war das vielleicht ganz gut, dass Gordian Troeller aufhörte, bevor ich kam, denn es wäre für mich – ich war in der Zeit zuvor als Kulturchef beim NDR immer ein intensiver Verfechter des Dokumentarfilms – es wäre für mich mehr als schmerzlich gewesen, einem Gordian Troeller vielleicht nicht mehr die nötigen Mittel für sein Schaffen garantieren zu können.
Froh und dankbar bin ich, dass wir heute am 16. März, an dem Gordian Troeller 100 Jahre alt geworden wäre, gemeinsam an ihn denken können. Während man sich sonst vielleicht eher an Einzelheiten, die mit ihm verbunden sind, erinnert, bietet ein solcher Anlass die Chance, sich einen Überblick über das Lebenswerk, die gesamte Lebensleistung dieses großen Kollegen zu verschaffen.
Mit großem Vergnügen und noch größerem Gewinn habe ich mich für heute auf nur zwei Bücher gestürzt:
Kein Respekt vor heiligen Kühen

und ein zweites

Antifaschist Punkt, Anarchist Punkt, Journalist Punkt.
Untertitel: Gordian Troeller berichtet.

Da sind im Titel drei Begriffe, die seine Person, seine Grundeinstellung, seine Haltung und sein Selbstverständnis kennzeichnen.
Sein Lebensthema beschreibt er in seiner Autobiographie:
„Die zerstörerische Wirkung der westlichen Fortschrittsideologie – sowohl wirtschaftlich wie kulturell – auf die Gesellschaften der sogenannten Entwicklungsländer, das war mein Thema.“ (S. 9) Und weiter: „Überall in der ‚Dritten Welt’ nimmt die Verarmung ständig zu … Trotz Entwicklungshilfe und massivem Einsatz westlicher Experten. Oder besser gesagt: wegen des Entwicklungsmodells, das der Norden dem Süden aufgezwungen hat. Und zwar keineswegs aus Nächstenliebe. Es geht dabei um handfeste Interessen.“ (S. 11)

In unseren Tagen erhalten wir die Quittung dieser Weltsicht des Westens.

Wenn Sie die Texte von Gordian Troeller lesen, dann merken Sie, wie Recht er hatte. Die riesigen Probleme, die Europa und unser Land derzeit beschäftigen und prägen, hat Gordian Troeller fast prophetisch aufgezeigt und vorhergesagt. Seine Analysen waren richtig. Den Beweis liefert unsere Gegenwart. Genau so wie beispielsweise auch das Fernsehdrama aus Großbritannien „Der Marsch“, das der NDR 1990 präsentierte. Welche Aktualität, welche Brisanz der damaligen Berichte und Vorhersagen in unseren Tagen!
Gordian Troeller.

Am 16. März 1917 in Luxemburg geboren.

Schule in Frankreich, Deutschland und Luxemburg

Politisches Engagement im Spanischen Bürgerkrieg

Flucht vor den Nazis nach Portugal

 

Geheimdienstchef mit 24 Jahren und zwischendurch – das muss einfach gesagt werden – kurz Stierkämpfer, schon bald allerdings mit einem jähen Ende der doch kurzen Karriere. Zur Probe ging es nämlich gegen eine Kuh, die Sieger blieb, weil offenbar Kühe klüger sind als Stiere und nicht gegen das Tuch rennen, sondern gegen den Halter des Tuches, also gegen den Mann.

Fast könnte man in Versuchung kommen, einen Vergleich mit Gordian Troeller anzustellen, dem es nie um den Schein, sondern um die Wirklichkeit ging. Der sich nicht durch Täuschungsversuche ablenken ließ, seine Analysen trafen den Kern.
Weil er der Kuh mit Hilfe Dritter entkommen konnte, Reisen in alle Herren Länder. Und ab jetzt immer Berichte, Reportagen.
Schon in jungen Jahren war er nämlich Korrespondent von 40 Zeitungen, man muss sich das vorstellen. Seine Spuren zu verfolgen, bedeutet Geographie-Unterricht par excellence. Wie hat er es nur geschafft, mit so vielen Menschen der Macht, seidenen und halb-seidenen, und vor allem mit Menschen, die, weil kritisch und kompetent, etwas zu sagen hatten, in Kontakt zu kommen? Man muss fast anders fragen: wen kannte er nicht?
Seinen Spuren zu folgen, ist aber auch wie ein Krimi. Allein zu zählen, wie oft er verhaftet wurde, im Knast saß, überfordert einen einfachen Leser.
Und weil’s so schön und wegweisend ist, wenigstens dieses Detail: Im Knast in Portugal teilte er seine Zelle mit einem deutschen Grafen, der nebenbei bemerkt sein Essen vom besten Restaurant der Stadt erhielt und es offenbar großzügig mit Troeller teilte. Jahre später traf Troeller diesen Grafen zufällig wieder in einer Kneipe in Rom und bei dieser Begegnung bat ihn der Graf, einer Freundin aus Berlin Rom zu zeigen. Das geschah wohl so eindrücklich, dass diese Frau wenig später verlangte, dass Troeller unbedingt zu ihrer Hochzeit nach Berlin kommen müsse. 1959. Der Auserwählte der Dame war Peter Boenisch, Chefredakteur der „Revue. Das kurz zuvor veröffentlichte Buch von Troeller „Persien ohne Maske“ hatte die Jungvermählte in die Ehe mitgebracht und so den Herrn Chefredakteur bewogen, den weltgewandten Autor dieses Buches kurzerhand zum Auslandschef zu bestellen.
Wenn Sie’s nachlesen wollen: ich empfehle Ihnen die Seiten 39 und 40.
Schon bald sollte er bei der „Revue“ statt Boenisch Chefredakteur werden. Da siegte, wie er bekennt, aber sein Freiheitsbedürfnis. Er kündigte kurzerhand am selben Tag. (S. 43). Es ging weiter, Schlag auf Schlag. Denn schon gleich danach rief Henri Nannen an: Wollen Sie nicht zum Stern kommen?

Gefragt, getan. Ergebnis: 81 Reportagen zwischen 1959 und 1969, in zehn Jahren also, wirklich aus allen Teilen der Erde.
Das alles muss ich auslassen wie schon zuvor seine mitreißenden Aktivitäten beim Geheimdienst.
Weil ich nämlich ins Jahr 1974 springen muss.
Seit 1963 hatte Troeller für verschiedene Anstalten der ARD 19 Filme gedreht, meist hochkarätige 45 bis 60 Minüter. Zuletzt aber eher im Dritten Programm des NDR. Da lockte ihn der Chefredakteur von Radio Bremen, Gert von Paczensky, mit der Frage: Willst Du nicht eine Serie für uns machen? Und zwar zur PrimeTime im Ersten? Auf einem regelmäßigen Sendeplatz.

Paczensky sicherte ihm kurzerhand drei ‚Feature‘-Termine pro Jahr zu, und das unbefristet.“ (Paczensky, Kein Respekt…, S. 16)
Dass Paczensky diese Absicht in der ARD durchsetzen konnte, ist mehr als erstaunlich, denn damals wie heute muss innerhalb der ARD jedes einzelne Filmvorhaben eines Senders für das Gemeinschaftsprogramm in einer Kommission der Chefredakteure und Kulturchefs aller Anstalten und dann in der Konferenz der Programmdirektoren durchgeboxt werden.

 

Die Hartnäckigkeit der Radio Bremen-Leute siegte gegen die ARD-interne Konkurrenz.

 

Troeller bei Radio Bremen ist nicht zu denken ohne einen ganz besonderen Mann, zu dem ich schon zu meinen Anfängen in Stuttgart beim SDR, beim Süddeutschen Rundfunk seligen Angedenkens, mit Respekt hochblickte:

Elmar Hügler.
Der Programmdirektor von Radio Bremen, Dieter Ertel, der zuvor auch beim SDR war, hatte Elmar Hügler nach Bremen gelockt. Viele landeten vom schwäbischen Sender in Bremen. Ertel, Hügler, Kienzle und später über einen fünfzehnjährigen höchst angenehmen Umweg beim NDR ja auch ich.
Elmar Hügler kam nach Bremen und blieb beim Sender, auch nachdem Gert von Paczensky ausschied und Dieter Ertel schon bald als Fernsehspielchef zum WDR wechselte. Innerhalb der Chefredakteurskonferenz ARD, gegenüber den Gremien des Senders und auch gegenüber seinem Intendanten und Programmdirektor war Elmar Hügler jetzt alleine und deshalb noch mehr gefordert.
Der Einblick, den er diesbezüglich gewährt, ist ebenso interessant wie begründet. Ich zitiere:
„Troeller schien gefährdet, denn der zu dieser Zeit amtierende Intendant hatte wiederholt verlauten lassen, dass er das Engagement der Redaktion im außenpolitischen Bereich nicht länger unterstützen wolle. Nun könnte der Wechsel ihm erlauben, was Dieter Ertel schon durch Präsenz verhindert hatte: eine Zertrümmerung meines nach vier Jahren zaghaft blühenden Programms. Die Sorge war: der neue Programmdirektor würde sich dem Druck nicht widersetzen wollen und, gewissermaßen als Dank für seine Nominierung, Gordian Troeller opfern. Hans Werner Conrad hatte jedoch solche Vermutungen schon bald nach seinem Amtsantritt entkräftet. Nicht, dass er Troellers Weltsicht vorbehaltlos akzeptierte. Sie war ihm in mancher Hinsicht zu dogmatisch. Gleichwohl erkannte er die visionäre Kraft, die hinter seinen Filmen steckt. Im Grunde ging es ihm wie mir, als ich Troeller kennenlernte. Ich war gebannt von dem, was seine Filme an Einsichten und Wissen vermitteln konnten, obgleich mir unter filmtheoretischen Aspekten manches unüblich erschien. Schließlich hatte ich als Filmemacher zwölf Jahre lang an einer eigenen Theorie gefeilt und – wie ich glaubte – mich dabei mit allen Spielarten des Films vertraut gemacht.“ (Kein Respekt vor heiligen Kühen, S. 21 f.)

Über Troellers dokumentarischen Stil wurde nämlich – im Grunde nicht überraschend – gestritten. Wenn nämlich die Auffassung vertreten wird, Fernsehen sei in erster Linie ein Bildmedium und streng genommen müsse sich in erster Linie über Bilder erschließen, dann konnte es nicht überraschen, dass die Filme Gordian Troellers als wortlastig charakterisiert wurden. Man hielt ihm vor, er illustriere vielfach mit filmischen Mitteln seine bereits vorgefertigten journalistischen Analysen.
Troeller beeindruckte dies nicht sonderlich. Zitat: „Starke Bildsequenzen passen nicht unbedingt zu starken Textpassagen – und umgekehrt. Manchmal ergänzen sich Bild und Text nicht recht. Dann wettern die Puristen: Der Troeller belegt nicht, was er sagt. Die ‚Schere’ zwischen Bild und Text klappt weit auseinander. Das kommt schon mal vor. Aber stimmt deshalb meine Analyse nicht? Als ich schreibender Journalist war, brauchte ich nichts mit Bildern zu belegen. Man nahm mir ab, dass ich gründlich recherchiert hatte…

Jetzt verlangen pedantische Puristen, dass jeder Satz von Bildern bestätigt wird.“ (zitiert nach Peter Zimmermann, In Kein Respekt…, S 42)

 

Seinen überragenden Erfolg konnten solche Einwände gegen den primär schreibenden Fernsehmacher nicht mindern. Denn zwischen 1974 und 1999 entstanden für Radio Bremen und damit die ARD sage und schreibe 70 große Filme.
In drei Staffeln:

Von 1974 bis 1984 22 Filme in der Reihe „Im Namen des Fortschritts“ mit Berichten aus Algerien, Togo, Tansania, Gabun, Iran, aus verschiedenen Ländern Südamerikas sowie einige aus Frankreich, Kanada und USA.
In den Jahren 1979 bis 1983 zwölf Filme in der darauf folgenden Staffel „Frauen der Welt“, wiederum aus aller Herren Länder.
Und schließlich die dritte Staffel „Kinder der Welt“ mit 36 Produktionen.
Die erste Staffel resultierte aus seinem Anliegen, über die Ausbeutung von Völkern der „Dritten Welt“ durch die Industrienationen zu berichten.
Seine Begründung für die thematische Ausrichtung der zweiten Staffel:

„In der ersten Staffel war immer deutlicher geworden, wie stark politische und ökonomische Veränderungen die Lebensbedingungen der Frauen betrafen. Und da wir immer versuchten, aus Sicht der Betroffenen zu berichten, war es nur logisch, die größte und unfreiste aller ‚Kolonien’ (wie er sie in Anführungszeichen nennt) ins Bild zu rücken: die Frauen.“
Er wollte jene Elemente an den Pranger stellen, die letztlich für alle Unterdrückungs- und Ausbeutungsmechanismen verantwortlich sind: den Fortschrittsbegriff und die patriarchalische Ordnung.
Die dritte Staffel schließlich wollte die sozialen und politischen Verhältnisse untersuchen, die das Leben der Kinder bestimmen. Angesichts der schwierigen Situation von Kindern und Frauen in allen Kontinenten der Erde hatte nämlich die UNICEF vorgeschlagen, deren Wohlergehen zum Maßstab für den Fortschritt eines Landes zu machen. (Troeller, S. 160)
Auf die hochinteressanten Themen der Filme in den drei Staffeln kann ich aus zeitlichen Gründen nicht eingehen.
Hingegen muss angesprochen werden, dass diese Themen auch auf Widerstand trafen. Kein Wunder bei dem doch sehr kritischen und derart prononcierten Arbeiten von Troeller.
Elmar Hügler kann dies besser als ich. Deshalb gebe ich ihm sozusagen noch einmal das Wort.

„Als die Wellen wieder einmal hochschlugen und die Proteste auf einen Troeller-Film die Mitglieder des Fernsehausschusses von Radio Bremen in Rage brachten, erlaubte ich mir, dieses produktiv zu nutzen. Ich versuchte, aus den Äußerungen der Sitzungsteilnehmer ein Phantombild Troellers zu entwerfen. Was dabei herauskam, war das Bild eines Dynamikers, jung, alternativ, Typus Jeans mit Lederjacke, ein Weltverbesserer der unbeugsamen Art, ein bisschen Albert Schweitzer, viel mehr jedoch Karl Marx. Dies brachte mich auf die Idee, Gordian Troeller zur nächsten Sitzung mitzunehmen. Die Reaktion, als er erschien, werde ich nie vergessen. Das also war er. Silberhaar und leicht gebeugt, Horn- statt Nickelbrille, glatt rasiert statt Rauschebart. Die Diskussion um seine Filme hatte wieder (wenn auch nur für kurze Zeit) die neutrale Lässigkeit eines ausschließlich produktbezogenen Meinungsaustauschs. Die Antwort auf die Frage, wer Gordian Troeller wirklich ist, blieb freilich wieder einmal auf der Strecke. Er ist nicht links, er ist nicht rechts und ‚alternativ‘ auch nur insofern, als er alles, was er sieht, zunächst einmal in Frage stellt, um nach anderen Sichtweisen zu fahnden.“ (Kein Respekt…, S. S 26 f.)
Es ließen sich viele Versuche, Troeller zu bändigen oder gar mundtot zu machen, anführen.
Gordian Troeller wurde durch einen Bericht über die Erziehungsmethoden der katholischen Kirche bei Indianern zum personifizierten Antichristen und Radio Bremen zur Agentur der Hölle.
Und ein Film über Palästinenserkinder und die Kritik an der israelischen Besatzungspolitik stempelte Troeller zum Judenfeind.
Gemeinsam mit der Redaktion seines Senders hat Troeller, haben Troeller und Hügler dieser Kritik Stand gehalten. Bravo für damals und noch heute.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,

die ARD unterhält eine Kommission, die sich mit der Geschichte des öffentlichen Rundfunks, den Prinzipien seines Entstehens, seinen in Gesetzen und Staatsverträgen niedergelegtem Auftrag und sich der daraus gegebenen Legitimation befasst und ebenso mit den prägenden Hervorbringungen dieses Rundfunks, also mit ganz bestimmten Programmen.
Gordian Troeller hat Rundfunkgeschichte geschrieben, das sage ich weniger als Intendant seines Senders in der Zeit nach ihm. Das stelle ich in meiner Eigenschaft als Vorsitzender eben dieser Historischen Kommission der ARD fest.
Wenn man wissen will, wie wichtig dieser Rundfunk für eine Gesellschaft ist, dann muss man sich die fast 100 Filme von Gordian Troeller für die ARD vor Augen führen. Sie waren im damaligen Kontext hoch wichtig, sie sind es – wie dieser Rundfunk, wenn er seinen ureigensten Auftrag erfüllt, auch heute noch.
Gordian Troeller hat sich, ermöglicht durch Elmar Hügler und gemeinsam – wenigstens an dieser Stelle muss das gesagt werden – gemeinsam mit Marie-Claude Deffarge und Ingrid Becker-Ross, ohne die diese Filme nicht entstanden wären, um diesen Rundfunk verdient gemacht. Und umgekehrt: durch Troeller machte sich dieser Rundfunk verdient für unsere Gesellschaft.
Ich halte mich seit meinem Ausscheiden bezogen auf eine Einmischung bei Radio Bremen strikt zurück.
Als Vorsitzender der Historischen Kommission rege ich indes immer wieder an, ganz bestimmte Schätze, die in den Archiven ruhen, aber immer noch relevant sind, aber eben in der Gefahr, in den Kellern vergessen zu werden, im Interesse der Rundfunkanstalten selber in geeigneter Weise in Erinnerung zu rufen.
Ich fände es mehr als gerechtfertigt, wenn eine Rundfunkanstalt auf die Idee käme, im Programm einen ganzen Abend Gordian Troeller zu widmen oder ein wenig besser vielleicht eine ganze Nacht lang Troeller-Programme zu zeigen oder deutlich besser sogar eine ganze Woche lang Nacht für Nacht. Oder am allerbesten: wenn zumindest Teile des Troeller-Erbes beispielsweise – im Zeitalter des Internet ist dies leicht möglich – in einer Internet-Rubrik „Fundstücke“ der Nachwelt zugänglich gemacht würden und so lebendig blieben.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk könnte sich schmücken mit dem, was da an wichtigen Stücken in seiner Geschichte hervorgebracht wurde.
Heute Abend wird – Dank vor allem Ihnen, Frau Becker-Ross und Dank an Martin Aust und das Metropolis – der große Programm-Mann, der große Journalist Gordian Troeller erinnert.
Gratulieren im Wortsinn, also grazie sagen, können wir ihm fast auf den Tag genau 14 Jahre nach seinem Tod nicht. Wir können aber dankbar sein, dass es ihn gab. Gratulieren im Sinne von beglückwünschen indes aber können wir uns aus Anlass des Hundertsten eines Mannes, den wir heute zu Recht feiern. Wir können uns beglückwünschen, dass wir von ihm lernen, von ihm profitieren konnten und können.
Ich danke Ihnen, dass Sie sich so geduldig über Worte und Gedanken von ihm, von Elmar Hügler und von mir auf Gordian Troeller eingelassen haben.