Vom Nutzen der Vielehe

Togo, 1979

Immer wieder wird Polygamie als der Unterdrückungsmechanismus für afrikanische Frauen beschrieben. Am Beispiel von Togo wird gezeigt, daß die Situation der Frauen in anderen Kulturen nicht nach westlichen Wertmaßstäben beurteilt werden kann. Traditionell kommt den Frauen dort eine wichtige Rolle in Landwirtschaft und Handel zu. Das, was sie dabei erwirtschaften, ist ihr Privatbesitz, auf den die Männer keinen Zugriff haben. Eine Afrikanerin meint dazu: »Man kann sagen, daß die afrikanische Gesellschaft auf
Gütertrennung beruht. Es gibt keine Gütergemeinschaft, denn der Mann bleibt weiterhin Mitglied seiner Familie und die Frau der ihren. Nur die Kinder gehören ihnen gemeinsam und verbinden sie. « So hat auch der Begriff des Paares eine andere Bedeutung als bei uns. »Heute fragen sich viele, was ist eigentlich erniedrigender für eine Frau, die Kleinfamilie zum Lebensinhalt zu machen oder – als eine von mehreren Frauen – persönlich unabhängig zu bleiben und die Gruppensolidarität zu wahren? « Auch wenn im städtischen Milieu der westliche Einfluß auf das Verhältnis zwischen den Geschlechtern immer sichtbarer wird, so bleibt dennoch offensichtlich, daß es einen anderen Begriff von Emanzipation gibt als in westlichen Gesellschaften.

Gordian Troeller und Marie-Claude Deffarge
Mitarbeit: Ingrid Becker-Ross
Kamera: Gordian Troeller
Ton: Stanislas Choko
Schnitt: Ingeburg Forth
Länge: 43 min., Farbe
Erstausstrahlung: RB 18.11.1979

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