Bitterer Zucker

Zwei Filme entstanden ergänzend zu der Reihe „Im Namen des Fortschritts“. Im Mittelpunkt stehen darin die Strukturen und Produktionsweisen der Landwirtschaft, die nicht nur in den Ländern der Dritten Welt, sondern auch in den Industrienationen zur Verarmung führen müssen:
Am Beispiel von Brasilien wird die aus den herrschenden Macht- und Besitzverhältnissen resultierende Dimension des Hungers dargestellt.
Die USA dienen als Beispiel, um die verheerenden Folgen aufzuzeigen, die eine ausschließlich auf Profit ausgerichtete Landwirtschaft hat.
Die wachsende Zahl der Armen dokumentiert eine Weltwirtschaftslage, die man als „Krise“ bezeichnet. Eine Krise – also ein vorübergehender Engpaß? Wohl kaum. Zu erwarten ist eher – das Ende einer Entwicklung.

Bitterer Zucker

Brasilien, 1983

Brasilien galt lange als Beweis dafür, daß technischer Fortschritt und wirtschaftliches Wachstum ausreichen, um die sogenannte Unterentwicklung zu überwinden. Die Industrialisierung mußte jedoch in Dollar bezahlt werden.
So mußten immer mehr Agrarprodukte ausgeführt und immer größere Flächen für Exportkulturen zur Verfügung gestellt werden. Millionen von Kleinbauern wurden von ihrem Land vertrieben, Tagelöhnern in den landwirtschaftlichen Großbetrieben Hungerlöhne gezahlt, um die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt zu garantieren.
Überbevölkerung wird häufig als Grund für die wirtschaftliche Misere in Brasilien angeführt. Am Beispiel des extensiven Anbaus von Zuckerrohr, einem der wichtigsten Exportgüter des Landes, wird jedoch deutlich, daß der Hunger die Folge eines Entwicklungsmodells ist, das die Grundbedürfnisse der Mehrheit der Bevölkerung ignoriert. In den meisten Ländern der Dritten Welt hat das gleiche Entwicklungsmodell gleiche Strukturen und gleiches Elend geschaffen. Unverständlich ist dabei nicht, daß so viele Menschen an Hunger sterben, unverständlich ist eher, daß noch so viele leben. Die Aussagen des Films haben bis heute nichts von ihrer Brisanz verloren.

20. Adolf Grimme-Preis mit Bronze 1984

Gordian Troeller und Marie-Claude Deffarge
Mitarbeit: Ingrid Becker-Ross
Kamera: Gordian Troeller
Ton: Ingrid Becker-Ross, Jürgen Kauffels
Schnitt: Annerose Koop
Länge: 43 Minuten
Erstausstrahlung: RB 11.12.1983

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