Europas Weinfässer laufen über

Frankreich, 1975

Durchschnittlich werden in Frankreich jährlich 75 Millionen Hektoliter Wein erzeugt, von denen jedoch nur 55 Millionen Hektoliter abgesetzt werden können. Der Überschuß, der in der Hauptsache aus billigen südfranzösischen Weinen besteht, wird mit Geldern von Staat und der Europäischen Gemeinschaft (EG) zu Industriealkohol destilliert. Für die betroffenen Weinbauern ist das eine unbefriedigende Lösung, da die Entschädigungen nicht einmal die Produktionskosten decken. Seit die europäische Weinordnung von 1970 den freien Warenverkehr von Weinen innerhalb der EG garantiert, sind viele südfranzösische Winzer in ihrer Existenz bedroht. Tausende von Familien mußten bereits ihr Land verlassen, um in den Städten Arbeit zu suchen. Seit Beginn der siebziger Jahre protestieren die südfranzösischen Weinbauern regelmäßig gegen ihre Benachteiligung innerhalb der EG.
Am Beispiel der europäischen Weinkrise wird deutlich, daß die gleichen Mechanismen, die in der Dritten Welt zur Unterentwicklung führen, in einigen Agrargebieten Europas ähnliche Folgen haben und daß Autonomiebewegungen vor allem in solchen Regionen Auftrieb erhalten, deren wirtschaftliche Entwicklung nationalen und europäischen Interessen geopfert wird.

Gordian Troeller und Marie-Claude Deffarge
Mitarbeit: François Partant
Kamera: Gordian Troeller
Ton: Jean Noël Pruvost
Schnitt: Marguerite Oboussier
Länge: 43 Minuten
Erstausstrahlung RB: 16.03.1976

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