Kein Respekt vor heiligen Kühen

Mexiko, 1976

Anfang der sechziger Jahre gründete der gebürtige Wiener Ivan Illich zusammen mit der Belgierin Valentine Borreman im mexikanischen Cuernavaca das „Centro Intercultural de Documentacion“, das CIDOC. Ziel des Instituts war, die kulturellen und gesellschaftspolitischen Institutionen der Industrienationen auf ihre Werte hin zu untersuchen. Dabei stand die Frage im Vordergrund, was der sogenannte Fortschritt und die industrielle Produktionsweise der Menschheit wirklich gebracht haben.
Untersucht wurden unter anderem die Auswirkungen von Schule, Verkehr, Technik und Medizin auf den Menschen. Hauptsächlich prangert Illich die Anmaßung an, mit der die Industrienationen die sogenannte Dritte Welt zwingen, den gleichen Weg von Entwicklung einzuschlagen, wie sie selbst. So sieht er auch in der Entwicklungshilfe eine neue Form des Kolonialismus. Die Menschen der Dritten Welt werden nicht mehr mit Waffengewalt gezwungen, sich in den Dienst der Industrienationen zu stellen, sondern süchtig gemacht nach deren Erzeugnissen und Institutionen.
Im Lauf der Jahre hat sich das Institut zu einer Art Volksuniversität entwickelt, und mehr als 20.000 Menschen aus verschiedenen Ländern und Zusammenhängen haben an Seminaren und Veranstaltungen teilgenommen. Der Film entstand kurz vor der Schließung des CIDOC.

Gordian Troeller und Marie-Claude Deffarge
Mitarbeit: François Partant
Kamera: Gordian Troeller
Ton: J. C. Burger, Manfred Wenck
Schnitt: Sibylle Boysen
Länge: 43 Minuten
Erstausstrahlung: RB 23.08.1976

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