… denn ihrer ist das Himmelreich

BOLIVIEN, 1984

Betrachtungen über unseren Kindheitsbegriff am Beispiel zivilisierter Indianer

Im ersten Film der Reihe „Kinder der Welt“ wird der westliche Kindheitsbegriff problematisiert. Eine kindliche Welt, die behütet und getrennt von der Welt der Erwachsenen besteht, existiert in Europa erst seit einigen hundert Jahren. Kinder mußten keine Verantwortung mehr übernehmen, sie wurden aber auch für unmündig erklärt und für unfähig Entscheidungen zu treffen. Dieser Kindheitsbegriff wurde gleichzeitig auf andere Völker übertragen. Auch sie wurden zu Kindern erklärt, die, sobald sie nicht den westlichen Normen entsprachen, erzogen werden mußten, um die europäische Stufe der Zivilisation zu erreichen. Bei den bolivianischen Tieflandindianern z.B. gibt es Kindheit und Erziehung in unserem Sinne nicht, da die Kinder, orientiert am Vorbild der Erwachsenen, selbstverständlich in die Gemeinschaft hineinwachsen.
Das Verhältnis zwischen Kindern und Erwachsenen bei den Chiquitano und Ayoreo wird dem christlichen Erziehungsideal am Beispiel christlicher Missionen gegenübergestellt. Noch immer ist die Vorstellung lebendig, daß die Indianer erst zu mündigen Bürgern werden, wenn sie ihre eigene Kultur ablegen und sich dem Bild der Weißen gemäß verhalten.
Vor allem die katholische Kirche reagierte auf die Darstellung ihrer Missionsstation in Bolivien mit heftiger Kritik.

Gordian Troeller und Marie-Claude Deffarge
Mitarbeit: Silvia Perez Vitoria
Kamera: Gordian Troeller
Ton: Silvia Perez Vitoria, Elmar Schmidt
Schnitt: Ingeburg Forth
Länge: 43 Minuten
Erstausstrahlung: RB 09.09.1984

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