Opfer des Drogenkriegs

BOLIVIEN, 1990

In Chapare am Westhang der bolivianischen Anden werden Kokastauden angebaut, die den Rohstoff für etwa 25% der Weltproduktion an Kokain liefern. Wie in Peru und Kolumbien versuchen die USA auch hier, das Drogenproblem in den Griff zu bekommen. Von Amerikanern ausgebildete Spezialeinheiten sollen den Kokaanbau reduzieren und bis 1993 vollkommen abschaffen.
In Chapare leben etwa 40.000 Familien, mehr als 200.000 Menschen, vom Anbau der Koka. Bisher verdienten sie gut, und ihre Kinder hatten genug zu essen. Jetzt aber werden immer mehr Neugeborene vor Kirchen und Klöstern ausgesetzt oder in Heime gegeben. Wenn ihre Eltern sie nicht mehr ernähren können, werden sie auch als billige Arbeitskräfte verkauft. Die Regierung fordert die Bauern auf, die Koka-Stauden durch Bananen oder Zitrusfrüchte zu ersetzen, von denen es jedoch schon zu viele in Bolivien gibt und die wegen ihrer schlechten Qualität für den Export ungeeignet sind.

Sollte Kokain im Chapare tatsächlich vernichtet werden, dann wird es dort weit mehr Tote geben als in der gesamten Drogenszene der reichen Nationen: Hungertote. Die Opfer werden hauptsächlich die Kinder sein.

Gordian Troeller
Kamera: Gordian Troeller
Ton: Karin Beißel, Elmar Schmidt
Schnitt: Dietlind Frank
Länge: 30 Minuten
Erstausstrahlung: RB 29.10.1990

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