Verschult und verschaukelt

WESTAFRIKA, 1985

Unter Erziehung versteht man bei den Konkomba, die in Ghana und Togo leben, die Vermittlung der Werte, die die Großfamilie lebensfähig erhalten und die ihr Eingebundensein in die sinnlich erfaßbare und die übersinnliche Welt erklären.
Diese Erziehung vermittelt, daß jeder von allen abhängt und alle für jeden verantwortlich sind. Die Kinder lernen, sich als Teil einer kosmischen Einheit zu erfahren, deren Harmonie sie aufrechterhalten, wenn sie die Regeln und Gesetze der Gruppe respektieren. Autorität innerhalb der Gemeinschaft wird durch das Alter verliehen; sie beruht nicht auf Besitz oder Leistung.
Durch diese Altershierarchie werden auch die Kinder zu verantwortlichen Mitgliedern der Gemeinschaft, denn auch sie sind Erzieher und Beschützer der jüngeren und nehmen so in ihrer Gesellschaft einen festen Platz ein. Die Schule, die sich am Modell der ehemaligen Kolonialmächte orientiert, untergräbt die traditionellen Bildungswege, denn sie entwertet das Wissen der Alten und zerstört deren Autorität.
Ziel der Schule ist es, eine an individueller Leistung orientierte Gesellschaft aufzubauen und die kulturellen Unterschiede der verschiedenen Ethnien aufzuheben, um eine Nation unter westlichen Vorzeichen zu ermöglichen.

Gordian Troeller
Mitarbeit: Ingrid Becker-Ross
Kamera: Gordian Troeller
Ton: Karin Beißel, Jürgen Kauffels
Schnitt: Annerose Koop
Länge: 43 Minuten
Erstausstrahlung: RB 2.06.1985

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