Verwaltet, verraten, verkauft

UNGARN, 1990

Ungarn steht an der Spitze der Reformbewegungen in Osteuropa. Der Planwirtschaft folgt die Marktwirtschaft, Privateigentum ist wieder zugelassen, und auch die Entlohnung richtet sich nach der Leistung des Einzelnen. Im Erziehungssystem und in Arbeitsprozeß wurde Leistung bisher nicht honoriert.
Jahrzehntelang wurde im Namen der Arbeiterklasse eine intelligenzfeindliche Politik betrieben, in der Wissen, Bildung und Kultur als Waffe des Bürgertums gegen die proletarische Ordnung galten. Akademiker und Intellektuelle wurden nicht nur geringer geachtet, sondern auch schlechter entlohnt als Arbeiter, Techniker und Bauern. Pädagogisches Prinzip war die Erziehung zu Gehorsam und Eingliederung in die Gesellschaft, in der Kreativität und kritische Meinungsbildung keine Rolle spielten. Nun soll es Arbeit vor allem in technischen Bereichen, nur noch für die Besten geben und, was vorher noch unvorstellbar war, Arbeiter können entlassen werden.
Völlig neue Anforderungen werden an eine Generation gestellt, die darauf durch Schule und Erziehung nicht vorbereitet ist.

Gordian Troeller
Mitarbeit: Ingrid Becker-Ross
Kamera: Gordian Troeller
Ton: Eva Hollo, Elmar Schmidt
Schnitt: Ingeburg Forth
Länge: 30 Minuten
Erstausstrahlung: RB 02.04.1990

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