Von Moslems und Christen

ÄGYPTEN, 1988

In Ägypten gewinnt eine religiös orientierte Erziehung immer mehr an Bedeutung. Die Kinder sollen vor einem radikalen Islam, der sich vor allem an Schulen und Universitäten durchsetzt und für eine sozial gerechte Gesellschaft eintritt, ebenso bewahrt werden wie vor den Einflüssen der westlichen Kultur.

In den Koranschulen werden ihnen die gesellschaftlichen Regeln und Bräuche vermittelt, wie sie sich aus der Religion herleiten. Mädchen sind vom Religionsunterricht meist ausgeschlossen. Sie nehmen eine untergeordnete Stellung ein und ihre Erziehung ist einzig der Vorbereitung auf ein Leben als Ehefrau und Mutter gewidmet. Die Traditionen der Moslems unterscheiden sich kaum von denen der etwa 4 Millionen in Ägypten lebenden koptischen Christen.
Auch sie begründen die Werte, die ihr Leben prägen und die menschlichen Beziehungen regeln, mit ihrem Glauben. Verhaltensweisen jedoch, die von den Kopten als christlich, von den Moslems, als islamisch verstanden werden, können streng genommen weder das eine noch das andere sein. Sie können aber verstanden werden als die Reaktion eines Volkes auf die Ohnmacht gegenüber despotischer Willkür, wie sie sich in jahrtausendelanger Unterdrückung manifestiert hat.

Gordian Troeller
Mitarbeit: Ingrid Becker-Ross
Kamera: Gordian Troeller
Ton: Ingrid Becker-Ross, Joachim Duden
Schnitt: Annerose Koop
Länge: 43 Minuten
Erstausstrahlung: RB 08.08.1988

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