{"id":66237,"date":"2026-06-04T03:13:43","date_gmt":"2026-06-04T01:13:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/?post_type=reportage&#038;p=66237"},"modified":"2026-06-04T03:13:43","modified_gmt":"2026-06-04T01:13:43","slug":"hier-duerfen-araber-neger-morden-i","status":"publish","type":"reportage","link":"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/nl\/reportage\/hier-duerfen-araber-neger-morden-i\/","title":{"rendered":"Hier d\u00fcrfen Araber Neger* morden I"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Stern, Heft 17, 23. April 1967<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Gordian Troeller und Claude Deffarge gelang es als ersten Reportern zu den Freiheitsk\u00e4mpfern im sudanesischen Busch vorzudringen. Sie begleiteten sie auf der st\u00e4ndigen Flucht vor den arabischen Regierungstruppen, die hier einen grausamen Vernichtungskrieg f\u00fchren, von dem die Welt nichts wei\u00df. \u00dcber eine halbe Million Neger * sind diesem Massaker bereits zum Opfer gefallen.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie werden die sieben Neger* sich verhalten, wenn eine wei\u00dfe Frau sich auszieht? Nachts. Im Busch. M\u00e4nner, die wir erst seit wenigen Stunden kennen, Schwarze, die vorher noch keine Wei\u00dfen gesehen haben. Diese Frage bewegt mich im Augenblick mehr als die Gefahr, in der wir schweben. Wir befinden uns an der verbotenen Grenze, die Uganda vom Sudan trennt: an einem der vielen Nebenfl\u00fcsse des Nils, den die Regenzeit in einen rei\u00dfenden Strom verwandelt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eK\u00f6nnt ihr schwimmen?\u201c fragt der Anf\u00fchrer unserer Eskorte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir k\u00f6nnen. &#8211; Sollen wir uns nun ausziehen? &#8211; Wir m\u00fcssen uns ausziehen. Die N\u00e4chte sind kalt. Wenn wir angezogen in den Sudan hin\u00fcberschwimmen und dann mit nassen Kleidern weitermarschieren, d\u00fcrfte es mit dem Rest der Reise aus sein.Au\u00dferdem m\u00fcssen wir uns beeilen. Der Morgen graut, bald werden Menschen wach, die uns hier nicht sehen d\u00fcrfen. Die Soldaten haben Befehl, auf alle zu schie\u00dfen, die sich dieser Grenze n\u00e4hern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend Claude Deffarge sich auszieht, drehen unsere Begleiter sich diskret um. Erst als sie h\u00f6ren, da\u00df wir im Wasser sind, packen Sie unsere Sachen in Gummis\u00e4cke, ziehen sich selbst aus und folgen uns.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht nicht ohne Zwischenf\u00e4lle. Filme schwimmen davon. Claude verf\u00e4ngt sich im Ge\u00e4st eines toten Baumes, in den die Str\u00f6mung sie geschwemmt hat, und wir m\u00fcssen sie zu dritt befreien.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img alt=\"\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1672\" src=\"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/A-scaled.jpeg\" class=\"wp-image-62369\" srcset=\"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/A-scaled.jpeg 2560w, https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/A-scaled-1200x784.jpeg 1200w, https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/A-scaled-1920x1254.jpeg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als wir nach zehn Minuten alle heil am anderen Ufer sind, ist die Nacktheit kein Problem mehr. Sie ist einfach vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Frage hatte mich im Flu\u00df fast gel\u00e4hmt, aber jetzt erst wage ich sie auszusprechen: \u201eGibt es hier Krokodile?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eNat\u00fcrlich\u201c, sagte der Anf\u00fchrer. \u201eAber die schlafen nachts genau wie die Soldaten, die diese Grenze bewachen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir lachen. Sieben nackte Neger* und zwei Wei\u00dfe kr\u00fcmmen sich vor Lachen, weil dieser kleine Scherz die Spannung der wahren Angst und der falschen Scham gel\u00f6st hat. F\u00fcr einen Augenblick sind Krieg und Massaker fast vergessen &#8211; obwohl wir nur ihretwegen das Wagnis auf uns genommen haben, auf Schleichwegen in den verbotenen Sudan zu gelangen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt keinen anderen Weg. Wenn man in Khartoum, der Hauptstadt des Sudans, um die Erlaubnis bittet, den S\u00fcden des Landes zu besuchen, wird man h\u00f6flich, aber bestimmt abgewiesen. Im S\u00fcden tobt n\u00e4mlich ein Krieg, den die Welt vergessen hat &#8211; und der vergessen bleiben soll. \u00dcber f\u00fcnfhunderttausend Menschen sind bisher umgebracht worden, mindestens ebenso viele wurden aus ihren D\u00f6rfern vertrieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ersten Fl\u00fcchtlinge treffen wir nach drei Stunden Marsch. Tief im Busch versteckt, haben sie ihre H\u00fctten gebaut. Als sie uns sehen, laufen die Frauen und Kinder laut schreiend davon. Die M\u00e4nner greifen nach ihren Speeren und Pfeilen. Weil wir hellh\u00e4utig sind, h\u00e4lt man uns f\u00fcr Araber, f\u00fcr Feinde. Ein Speer bohrt sich neben Claude in den Boden. Wir m\u00fcssen in Deckung gehen, bis unsere Begleiter erkl\u00e4rt haben, wer wir sind. Die Frauen kommen nur z\u00f6gernd zur\u00fcck. Sie zittern immer noch.<br>Erst vor zwei Monaten haben die arabischen Regierungstruppen ihr Heimatdorf zerst\u00f6rt und alle, die nicht schnell genug laufen konnten, umgebracht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img alt=\"\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1509\" height=\"2560\" src=\"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/C--scaled.jpeg\" class=\"wp-image-62371\" style=\"object-fit:cover\" srcset=\"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/C--scaled.jpeg 1509w, https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/C--scaled-707x1200.jpeg 707w, https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/C--scaled-1132x1920.jpeg 1132w\" sizes=\"auto, (max-width: 1509px) 100vw, 1509px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ihr Dorf ist zerst\u00f6rt, ihre Ernte vernichtet. Ihre H\u00fctten sind verbrannt, die Eltern get\u00f6tet. Jeden Tag kommen Fl\u00fcchtlinge, um sich unter den Schutz der Freiheitsk\u00e4mpfer zu stellen. Die Frauen sind noch bekleidet, aber schon nach wenigen Wochen Sind ihre Kleider verschlissen, und sie m\u00fcssen nackt herumlaufen wie einst ihre Vorfahren.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man bietet uns Erdn\u00fcsse an. Sonst gibt es hier nichts zu essen. Zwei M\u00e4nner werden in den Wald geschickt, um in den Fallen nachzusuchen, ob vielleicht ein Buschbock oder ein Wildschwein hineingefallen ist. Nach zwei Stunden kommen sie jubelnd mit einer riesigen Boa zur\u00fcck, die sie unterwegs get\u00f6tet haben. Jeder von uns bekommt zwanzig Zentimeter Schlangenfleisch. F\u00fcr uns beide wird das Schwanzende gebraten. Es soll der beste Teil sein. Jedenfalls schmeckt es vorz\u00fcglich, denn wir haben schon drei\u00dfig Stunden nichts mehr gegessen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend unseres vierw\u00f6chigen Marsches durch den Sudan haben wir noch oft an diese Mahlzeit gedacht. Sie war die beste unserer ganzen Reise. Je weiter wir ins Innere vordringen, desto karger wird die Speisekarte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fast jeden Tag \u00e4ndert sich unsere Eskorte. Heute ist einer dabei, der besonders stolz aussieht. An seinem G\u00fcrtel h\u00e4ngen vier Handgranaten. Jeder seiner Kameraden wei\u00df, da\u00df er schon sieben Araber im Nahkampf get\u00f6tet hat. Er hei\u00dft Bismarck und will endlich wissen warum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDu mu\u00dft es mir sagen\u201c, fordert er. \u201eDu bist die Geschichte, die Politik und die Geografie.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das sind wir schon seit Beginn der Reise. Jeden Abend, wenn wir am Lagerfeuer sitzen, scharen sich Rebellen und Bauern um uns und \u00fcbersch\u00fctten uns mit Fragen. Seitdem sie uns \u201eGeschichte, Politik und Geografie\u201c getauft haben, glauben sie, uns benutzen zu k\u00f6nnen wie ein W\u00f6rterbuch &#8211; selbst wenn wir vierzig Kilometer marschiert sind und todm\u00fcde von unseren weichen Betten in Hamburg tr\u00e4umen.<br>Aber das ist noch ertr\u00e4glich. Meist sind wir dann in Sicherheit, tief im Dschungel und vor \u00dcberraschungsangriffen gedeckt durch schwer bewaffnete Wachen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt jedoch scheint mir der Zeitpunkt schlecht gew\u00e4hlt, Lexikon zu spielen. Ganz in der N\u00e4he patrouillieren Panzer der Regierungstruppen. Fl\u00fcchtlinge haben uns erz\u00e4hlt, da\u00df man auf uns Jagd macht. Die arabische Regierung in Khartoum liebt es nicht, wenn Journalisten sich in den S\u00fcden des Landes einschleichen, um der Welt berichten zu k\u00f6nnen, wie grausam hier gek\u00e4mpft und get\u00f6tet wird.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img alt=\"\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1917\" height=\"2560\" src=\"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/H--scaled.jpeg\" class=\"wp-image-62375\" style=\"object-fit:cover\" srcset=\"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/H--scaled.jpeg 1917w, https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/H--scaled-899x1200.jpeg 899w, https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/H--scaled-1438x1920.jpeg 1438w\" sizes=\"auto, (max-width: 1917px) 100vw, 1917px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der Sudan ist zehnmal so gro\u00df wie die Bundesrepublik. Im Norden des Landes wohnen sechs Millionen Araber, im S\u00fcden (dunkel) vier Millionen Neger*. Von Uganda aus gingen Gordian Troeller und Claude Deffarge heimlich \u00fcber die Grenze.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Krieg wird vergessen bleiben, solange es keine ausl\u00e4ndischen Zeugen gibt. Deshalb will man uns fangen, uns umbringen. \u201eMan wird euer Leben nicht schonen\u201c, wu\u00dften Fl\u00fcchtlinge zu berichten. \u201eUnd den Rebellen euren Tod in die Schuhe schieben, um sie als grausame Banditen hinzustellen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bismarck l\u00e4\u00dft nicht locker. Als ich ihm erkl\u00e4re, da\u00df er den Namen eines deutschen Staatsmannes tr\u00e4gt und da\u00df der Pfarrer ihm diesen Namen wahrscheinlich nur gegeben hat, um die damaligen Kolonialherren, die Engl\u00e4nder, zu \u00e4rgern, ist er immer noch nicht zufrieden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWar Bismarck auch ein Heiliger?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eNein. Aber er war aus Eisen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So etwas, hoffe ich, h\u00f6rt ein Krieger gern. Irrtum, mein schwarzer Bismarck m\u00f6chte lieber den Namen eines Heiligen tragen, genau wie seine katholisch getauften Freunde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eUm mich in einem wei\u00dfen Gesicht zu spiegeln.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Ferne dr\u00f6hnen die Motoren der arabischen Panzer. Hin und wieder f\u00e4llt ein Schu\u00df. Trotzdem setzen sich auch noch andere Rebellen zu uns. Es ist ein wilder Haufen. Einige haben Uniformen, andere laufen in Lumpen herum. Insgesamt vierzehn Mann. Besch\u00fctzer und Tr\u00e4ger zugleich. Zwei Maschinenpistolen, sieben Gewehre, drei Speere. Der Chef mit dem klangvollen Namen Casimiro ist ein Leutnant der Partisanenarmee. Er ist f\u00fcr unsere Sicherheit verantwortlich. Diese Aufgabe nimmt er so ernst, da\u00df er jedes Mal, wenn Gefahr droht, ganz nah an uns heranger\u00fcckt, als wolle er uns mit seinem K\u00f6rper vor den feindlichen Kugeln sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDie Araber nennen uns immer noch abid &#8211; Sklaven\u201c, sagt er. \u201eSie behaupten, wir seien Untermenschen, die sie zivilisierten m\u00fc\u00dften.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eMir haben sie in der Schule beigebracht, da\u00df sie zu einer h\u00f6heren Rasse geh\u00f6ren als wir und deshalb Gott n\u00e4her sind\u201c, erkl\u00e4rt Bismarck. \u201eKann das stimmen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eJedenfalls seid ihr die ersten Wei\u00dfen, die das Essen mit uns teilen und in unseren H\u00fctten schlafen\u201c, meint Casimiro. \u201eDas gibt uns Vertrauen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eSag, doch was\u201c, bittet, Bismarck. \u201eSind alle Menschen gleich, oder geh\u00f6ren wir Schwarzen zu einer minderwertigen Rasse?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jedes Mal wenn \u201ediskutiert&#8220; wird, vergessen sie die Gefahr. Sie wollen erfahren, lernen, wissen. Letztlich geht es ihnen immer um die gleiche Frage, die auch jetzt nicht ausbleibt: \u201eSind wir eigentlich richtige Menschen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend unseres ganzen Marsches durch den sudanesischen Busch verfolgt sie uns wie der Klageschrei eines verwundeten Tieres. Sie taucht an jedem Lagerfeuer auf, in jedem Dorf, \u00fcberall wo wir halt machen. Jedes Mal, wenn wir neue Gesichter sehen, wollen sie wissen, warum sie schwarz sind, warum sie verachtet und gejagt werden wie Freiwild.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist nicht verwunderlich. Die Neger* im Sudan sind von all jenen, die zu ihnen kamen, kaum als Menschen behandelt worden. Zun\u00e4chst kamen die \u00c4gypter, die Araber. Sie fingen die Schwarzen wie Vieh und schleppten sie als Sklaven in den Norden. Die Frauen zum Vergn\u00fcgen, die M\u00e4nner zur Arbeit. St\u00e4mme, die einst Hunderttausende z\u00e4hlten, schrumpften innerhalb eines Jahrhunderts auf ein Zehntel zusammen. Ein Land, das von den ersten Reisenden als ein bl\u00fchender Garten beschrieben worden war, verwandelte sich durch Krieg und organisierten Menschenraub in eines der verlassensten Gebiete Afrikas.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sp\u00e4ter kamen die Engl\u00e4nder und verschmolzen den von Arabern bewohnten Norden mit dem von Schwarzen bewohnten S\u00fcden zu einem Staat. Dieser Zusammenschlu\u00df von zwei rassisch und kulturell v\u00f6llig verschiedenen V\u00f6lkern wurde auch beibehalten, als der Sudan am 1. Januar 1956 unabh\u00e4ngig wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die St\u00e4mme des S\u00fcdens protestierten. Sie f\u00fcrchteten, den Arabern abermals schutzlos ausgeliefert zu sein und forderten deshalb eine autonome Verwaltung innerhalb eines f\u00f6deralistischen Staatenbundes. Auch in London wurden Stimmen laut gegen eine Verbindung, die angesichts der zahlenm\u00e4\u00dfigen \u00dcberlegenheit und des h\u00f6heren Bildungsgrades der Araber nur zu einer neuen Kolonialisierung des S\u00fcdens durch den Norden f\u00fchren konnte. Aber der Suezkanal und die englischen \u00d6lkonzessionen im Vorderen Orient waren zwingende Tr\u00fcmpfe in der Hand der Araber, um London f\u00fcr die These eines zentral regierten Sudans zu gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img alt=\"\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1516\" src=\"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_9761-scaled.jpeg\" class=\"wp-image-62376\" srcset=\"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_9761-scaled.jpeg 2560w, https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_9761-scaled-1200x711.jpeg 1200w, https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_9761-scaled-1920x1137.jpeg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Sie waren Bauern. Jetzt sind sie Soldaten. In Lumpen, aber diszipliniert. Wenn die Araber einen der schwarze Freiheitsk\u00e4mpfer fangen, wird er get\u00f6tet. Pardon gibt es nur f\u00fcr junge Frauen. Die Araber machen sie zu ihren Konkubinen. Auch dagegen k\u00e4mpfen die Rebellen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img alt=\"\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"2552\" src=\"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_9762-scaled.jpeg\" class=\"wp-image-62382\" style=\"object-fit:cover\" srcset=\"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_9762-scaled.jpeg 2560w, https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_9762-scaled-1200x1196.jpeg 1200w, https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_9762-scaled-1920x1914.jpeg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die neuen Herren des Landes, die so lautstark den Abzug der englischen Imperialisten gefordert haben, entpuppten sich nun ihrerseits als weit r\u00fccksichtslosere Imperialisten. Sie bem\u00e4chtigten sich der Verwaltung und der Wirtschaft, des Heeres und der Polizei. Die Neger* haben nichts mehr zu melden, obwohl sie \u00fcber ein Drittel der Bev\u00f6lkerung ausmachen. In Khartoum wird zwar noch verhandelt. Schwarze Abgeordnete sitzen im Parlament. Aber im Busch wird hart durchgegriffen. Neben der Gewalt erscheint den Arabern ihre Religion, der Islam, als das beste Mittel f\u00fcr eine brutale Gleichschaltung. Christen werden verfolgt, Heiden zu Mohammedanern gemacht, Moscheen erbaut, Schulen geschlossen. Je ungebildeter die Schwarzen bleiben, umso eher kuschen sie, hei\u00dft es. Englisch, das bisher als Lingua Franca (Verkehrssprache zwischen einheimischer Bev\u00f6lkerung und Europ\u00e4ern) diente, wird durch Arabisch abgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Reaktion der schwarzen Bev\u00f6lkerung bleibt nicht aus. Das Christentum hat sie gelehrt, da\u00df alle Menschen gleich seien, gleich vor Gott und den Menschen. Aber wiederum behandelt man sie wie niedere Wesen, und sie versuchen, sich zu wehren. Im Busch formieren sich kleine Widerstandsgruppen, die den Arabern zu schaffen machen, wenn sie Land enteignen wollen oder D\u00f6rfer \u00fcberfallen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Widerstand wird von Christen gef\u00fchrt. Missionare, die um die Glaubensfreiheit bangen und eine gewaltsame Islamisierung des S\u00fcdens f\u00fcrchten, unterst\u00fctzen sie. Daraufhin schlie\u00dfen die Araber alle Missionen und Seminare und verweisen die ausl\u00e4ndischen Missionare des Landes. Kirchen werden zerst\u00f6rt, christliche D\u00f6rfer Erdboden gleichgemacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber damit nicht genug. In einer einzigen Nacht im Juni 1965 wurden in Juba, der Hauptstadt des S\u00fcdens, 1400 Neger* get\u00f6tet. Von Soldaten der Regierung. In Khartoum wei\u00df man, da\u00df der Widerstand im S\u00fcden des Landes ohne intellektuelle F\u00fchrer zusammenbrechen mu\u00df, und macht systematisch Jagd auf alle, die lesen und schreiben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img alt=\"\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1712\" height=\"2560\" src=\"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/W-34-2-scaled.jpeg\" class=\"wp-image-62377\" style=\"object-fit:cover\" srcset=\"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/W-34-2-scaled.jpeg 1712w, https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/W-34-2-scaled-803x1200.jpeg 803w, https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/W-34-2-scaled-1284x1920.jpeg 1284w\" sizes=\"auto, (max-width: 1712px) 100vw, 1712px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Missionare sind vertrieben, die Kirchen zerst\u00f6rt, die Schulen geschlossen. Die Araber machen systematisch Jagd auf alle Christen. Wer in Gemeinschaft beten will, mu\u00df tief in den Busch fliehen. Nur wenige schwarze Priester sind \u00fcbriggeblieben. Wenn sie durch die D\u00f6rfer ziehen, versammeln sich Christen und Heiden. Gemeinsam flehen sie Gott und die G\u00f6tter an: befreie uns von dem Terror der Araber!<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Damit ist der Bruch zwischen Arabern und Negern*, zwischen Norden und S\u00fcden endg\u00fcltig. Hunderttausend Schwarze fliehen vor dem Terror in die Nachbarstaaten. D\u00f6rfer, in denen die Regierung Widerstandsk\u00e4mpfer vermutet, werden in Brand gesteckt, die Einwohner erschossen. F\u00fcnfhunderttausend Menschen sind &#8211; nach Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen &#8211; auf diese Weise umgebracht worden, mehr als ein Zehntel der Bev\u00f6lkerung des S\u00fcdens. Nicht vor hundert Jahren. Heute.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotzdem gibt es keine internationalen Proteste. Dieser organisierte V\u00f6lkermord interessiert nur ein paar Moralisten. Die Politiker bleiben stumm, weil weder westliche noch \u00f6stliche Interessen auf dem Spiel stehen. Im Sudan gibt es keine ideologische Auseinandersetzung, keinen kalten Krieg, keine Kommunisten, nicht einmal Chinesen. Dort werden ja nur Neger* umgebracht. Und im \u00dcbrigen liegt der Sudan weit weg. Es ist gef\u00e4hrlich, an Ort und Stelle zu untersuchen, was wirklich passiert. Mit der Anprangerung eines V\u00f6lkermordes, der au\u00dferhalb der gro\u00dfen internationalen Spannungsfelder begangen wird, k\u00f6nnen sich weder Diplomaten noch Journalisten Sporen verdienen &#8211; und wenn Bismarck nicht gepfiffen h\u00e4tte, w\u00e4ren auch wir wohl nicht zur\u00fcckgekehrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend wir noch \u00fcber die Gleichheit der Menschen diskutieren, pfeift er pl\u00f6tzlich leise durch die Z\u00e4hne. Er hat als Einziger das Warnsignal geh\u00f6rt und gibt es weiter. Die Partisanen schw\u00e4rmen aus. Nach f\u00fcnf Minuten h\u00f6ren wir einige Sch\u00fcsse. Eine arabische Patrouille, die sich an uns heranschleichen wollte, zieht sich zur\u00fcck in den Schutz ihrer Panzer, die auf der Landstra\u00dfe warten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Gl\u00fcck haben wir bei unserem heimlichen Besuch in S\u00fcdsudan das Ende der Regenzeit erwischt. Wenn es monatelang gegossen hat, ist das Gras \u00fcber zwei Meter hoch. Wir haben oft geflucht, wenn wir uns da hindurchk\u00e4mpfen mu\u00dften und die scharfen Bl\u00e4tter Gesicht und H\u00e4nde blutig rissen. Aber jetzt sind wir froh, denn nur selten wagen Regierungstruppen sich in das undurchsichtige Gewirr fingerdicker Gr\u00e4ser, in denen Heckensch\u00fctzen perfekte Deckung haben und Fallen qualvollen Tod bedeuten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Natur hat uns zun\u00e4chst wieder einmal gerettet. Aber wir k\u00f6nnen nicht weiter. Unsere Reiseroute sollte \u00fcber die Stra\u00dfe f\u00fchren, die jetzt von feindlichen Panzern und Truppen abgeriegelt ist. Wir m\u00fcssen zur\u00fcck. Das n\u00e4chste Dorf ist zehn Kilometer entfernt. Sechs H\u00fctten. Ein paar Felder. M\u00e4nner in Lumpen. Frauen, die ihre Scham mit Bl\u00e4ttern verdecken. Zur Begr\u00fc\u00dfung knien sie nieder.<br>Man hat sie gelehrt, vor einer anderen Hautfarbe Demut zu zeigen. Fremde sind wie Naturgewalten, denen man sich beugen mu\u00df, ob sie Gutes bringen oder B\u00f6ses. Sie vertreten h\u00f6here M\u00e4chte. \u201eEuch mu\u00df Gott geschickt haben\u201c, sagt der Dorf\u00e4lteste. \u201eBitte rettet meine Tochter.\u201c<br>Sie liegt auf einer Strohmatte und windet sich vor Schmerzen. Der Leib ist geschwollen. An jeder Seite des M\u00e4dchens hockt eine alte Frau. Sie halten ihre H\u00e4nde und summen leise vor sich hin. Das ist hier das einzige Mittel, um Schmerzen zu stillen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was sollen wir tun? Wahrscheinlich handelt es sich um eine Blinddarmentz\u00fcndung. Wenn wir auf Reisen in entfernten Gebieten sind, wo es keinen Arzt gibt, keine Hilfe, kein Zur\u00fcck &#8211; dann f\u00fcrchten auch wir diese sonst harmlose Krankheit mehr als Malaria, Schlangenbissen oder Kugeln. Ich habe selbst mit Fieber und Leibschmerzen zwei Tage lang in einer H\u00fctte gelegen, und wir bef\u00fcrchteten schon das Schlimmste. Jetzt sehen wir, was geschehen w\u00e4re, wenn ich wirklich eine Blinddarmentz\u00fcndung gehabt h\u00e4tte. Noch am selben Tag stirbt das M\u00e4dchen. Wir k\u00f6nnen nur die Schmerzen lindern und ihr das Sterben erleichtern. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt wohl kaum eine Gegend der Welt, die so n\u00f6tigt der Hilfe bedarf wie der s\u00fcdliche Sudan. Seit Krieg und Terror hier toben, gibt es kein Medikament mehr, keinen Verbandsstoff, keinen Arzt oder Krankenpfleger, weder Kleidung noch Seife, weder Milch noch Zucker. Selbst Salz ist selten. Man mu\u00df Asche essen, um den Salzbedarf teilweise zu decken.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img alt=\"\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1795\" src=\"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/F-W-101864-scaled.jpeg\" class=\"wp-image-62373\" style=\"object-fit:cover\" srcset=\"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/F-W-101864-scaled.jpeg 2560w, https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/F-W-101864-scaled-1200x841.jpeg 1200w, https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/F-W-101864-scaled-1920x1346.jpeg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Immer wieder mu\u00dfte Claude Deffarge Kranke und Verwundete pflegen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend der Trauerfeier f\u00fcr das M\u00e4dchen wird nur ganz leise gesungen. Tamtam, Tanz und Musik sind seit Beginn des Krieges verbannt. Die Araber sollen nicht h\u00f6ren, wo man sich im Busch vor ihnen versteckt. Die Trommeln sind vergraben. Selbst die Masken und Fetische sind verschwunden. Sie verbrannten mit den H\u00fctten. Wir wollen es zun\u00e4chst nicht glauben: Alle D\u00f6rfer, in denen wir \u00fcbernachten und die westlichen Augen wie idyllische Bauernsiedlungen anmuten, sind nur provisorische Unterk\u00fcnfte gehetzter Menschen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img alt=\"\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1577\" height=\"1177\" src=\"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/G-W-36_2088.jpeg\" class=\"wp-image-62394\" style=\"object-fit:cover\" srcset=\"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/G-W-36_2088.jpeg 1577w, https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/G-W-36_2088-1200x896.jpeg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1577px) 100vw, 1577px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Claude Deffarge und Gordian Troeller teilten sechs Wochen lang das gef\u00e4hrliche Leben der Freiheitsk\u00e4mpfer und Fl\u00fcchtlinge im sudanesische Busch.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eSeit Generationen wohnten wir am Rande der Stra\u00dfe, die von Juba nach Yei f\u00fchrt\u201c, sagt der Chef des Dorfes, in dem wir heute halt machen. \u201eEines Morgens h\u00f6rten wir das Ger\u00e4usch vieler Motoren. Eine Milit\u00e4rkolonne n\u00e4herte sich. Die jungen Leute und die meisten Frauen rannten sofort in den Busch. Als die Lastwagen abgefahren waren, schlichen wir ins Dorf zur\u00fcck. Die Araber hatten es niedergebrannt, und wir z\u00e4hlten vierzehn Leichen. Auch eine junge schwangere Frau war darunter.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eUnd wann seid ihr hier hergekommen?\u201c will ich wissen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eVor drei Monaten. In den letzten zwei Jahren mu\u00dften wir viermal fliehen und uns jedes Mal tiefer Busch verstecken. Bald m\u00fcssen wir auch von hier wieder fort. Wenn die Regenzeit zu Ende ist, stecken die Araber das trockene Gras an. Dann haben sie bessere Sicht und weniger Angst, die Stra\u00dfe zu verlassen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber auch jetzt f\u00fcrchten sich diese Menschen vor einem n\u00e4chtlichen \u00dcberraschungsangriff. Nachdem sie uns das Essen zubereitet haben (Maniok mit Erdn\u00fcssen und Pfeffersauce), verschwinden sie ihren Dschungel, wo sie die Nacht verbringen werden. Selbst unsere Anwesenheit kann sie nicht dazu bewegen, einmal in ihren H\u00fctten zu schlafen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir f\u00fchlen uns auch nicht wohl in unserer Haut. Dieses verlassene Dorf, in dem nur zwei magere Hunde herumschleichen, wirkt gespenstisch. Wir haben zwar ein Feuer, das wenigstens die Illusion der Geborgenheit ausstrahlt, trotzdem w\u00e4ren auch wir lieber mit den anderen im Dschungel, anstatt hier unser westliches \u201eGesicht zu wahren\u201c. Es mu\u00df sein &#8211; sonst w\u00fcrden unsere Begleiter, die au\u00dferhalb des Dorfes Wache halten, jeden Respekt verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im \u00fcbrigen haben wir ja all dies gewollt: die Gefahr, das karge Essen, den Mangel an Salz und Zucker, die Strapazen der t\u00e4glichen drei\u00dfig Kilometer, die rei\u00dfenden Fl\u00fcsse, die wir durchqueren m\u00fcssen, und die giftigen Spinnen, die wir morgens aus den Schuhen sch\u00fctteln. Wenn wir ein wenig Gl\u00fcck haben, liegen wir bald wieder mit vollem Magen in warmen Betten und denken mit etwas Wehmut an diese aufregende Zeit im afrikanischen Busch. F\u00fcr diese Menschen hier wird es jedoch nie ein Ende geben.<br>Es gibt keinen Pardon. Die Truppen der arabischen Regierung in Khartoum unterscheiden nicht zwischen ihren k\u00e4mpfenden Feinden, den Partisanen, und der Zivilbev\u00f6lkerung. Es ist ein Kampf gegen ein ganzes Volk. Nur junge M\u00e4dchen k\u00f6nnen hoffen, am Leben zu bleiben, wenn ihr Dorf niedergebrannt wird. Sie werden mitgeschleppt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Feuer und Schwert sind nicht die einzigen Mittel der Vernichtung. Ebenso wirksam, wenn auch weniger Aufsehen erregend, ist die unabl\u00e4ssige Vertreibung der schwarzen Bev\u00f6lkerung von einem Versteck ins andere. Sie sind Bauern, und sie brauchen Felder, um zu leben. Wenn sie aus ihrem Heimatdorf vertrieben werden und an einem anderen Ort gerade gerodet, gepfl\u00fcgt und ges\u00e4t haben, dann bleibt ihnen meistens nicht die Zeit zum Ernten. Sie m\u00fcssen wieder fliehen und abermals versuchen, den neuen Boden urbar zu machen, bis eine weitere Strafexpedition sie davongejagt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img alt=\"\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1760\" src=\"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/D--scaled.jpeg\" class=\"wp-image-62372\" style=\"object-fit:cover\" srcset=\"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/D--scaled.jpeg 2560w, https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/D--scaled-1200x825.jpeg 1200w, https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/D--scaled-1920x1320.jpeg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Solange der Krieg dauert, sind sie zur st\u00e4ndigen Flucht verurteilt. Selten bleibt ihnen Zeit zum Ernten. Sie haben kein Brot, kein Salz, keinen Zucker und auch keine Medikamente. Immer wieder mu\u00dfte Claude Deffarge Kranke und Verwundete pflegen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So werden sie mehr und mehr in die Steinzeit zur\u00fcckgetrieben. Sie m\u00fcssen neu erfinden, wie ihre Vorfahren im Busch \u00fcberlebten. Anstatt zur Schule zu gehen, machen Kinder sich mit essbaren Wurzeln vertraut und mit dem Legen von Fallen. Bald haben die Frauen ihre letzten Kleider aufgetragen und m\u00fcssen wieder nackt gehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Beweggr\u00fcnde dieser Politik der Ausrottung sind Machthunger und der Wahn rassischer \u00dcberlegenheit. Fr\u00fcher holten die Araber ihre Sklaven aus dem S\u00fcden, heute streben sie nach gr\u00f6\u00dferem Lebensraum. Dabei ist keineswegs der Sudan allein im Spiel. Es geht um weit mehr: um den F\u00fchrungsanspruch des arabischen Nordafrikas \u00fcber den Schwarzen Kontinent. Nicht umsonst unterst\u00fctzen \u00e4gyptische und algerische Offiziere die Truppen von Khartoum im Kampf um den S\u00fcden.<br>Im Sudan versuchen die Araber, die Grenzen ihres Einflusses mit Waffengewalt zu erweitern. Im \u00fcbrigen Afrika vergr\u00f6\u00dfert sie ihren Einflu\u00df durch die systematische Islamisierung der schwarzen Bev\u00f6lkerung.<br>Was heute zum Beispiel in Nigeria geschieht, ist nur in diesem Zusammenhang zu verstehen. Auch dort streben die mohammedanischen Haussas nach Herrschaft \u00fcber die in ihrer Mehrzahl heidnisch gebliebenen Yorubas und Ibos. Die Front des zur politischen Waffe gewordenen Islams zieht sich quer durch Afrika. Im Sudan spricht man heute schon oft vom \u201eHeiligen Krieg&#8220; und der zivilisatorischen Mission des Islams. Nicht zuf\u00e4llig wurden dort vor allem Christen verfolgt, Missionare vertrieben und von Priestern erzogene Neger* get\u00f6tet. Man schaltet die \u201eKonkurrenz&#8220; aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Offensive des Islams mag die gro\u00dfen Auseinandersetzungen der n\u00e4chsten Jahrzehnte in Afrika bestimmen. Die einzige Gruppe, die sich ihr heute schon mit Waffen widersetzt, sind die Rebellen der s\u00fcdsudanesischen Freiheitsbewegung. \u00dcber diese M\u00e4nner und unser Leben mit ihnen berichten wir im n\u00e4chsten STERN.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":62367,"menu_order":0,"template":"","serie":[822],"jahr":[821],"land":[860,820],"class_list":["post-66237","reportage","type-reportage","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","serie-hier-duerfen-araber-neger-morden","jahr-821","land-sudan","land-suedsudan","entry","has-media"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/nl\/wp-json\/wp\/v2\/reportage\/66237","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/nl\/wp-json\/wp\/v2\/reportage"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/nl\/wp-json\/wp\/v2\/types\/reportage"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/nl\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/nl\/wp-json\/wp\/v2\/reportage\/66237\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":66238,"href":"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/nl\/wp-json\/wp\/v2\/reportage\/66237\/revisions\/66238"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/nl\/wp-json\/wp\/v2\/media\/62367"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/nl\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66237"}],"wp:term":[{"taxonomy":"serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/nl\/wp-json\/wp\/v2\/serie?post=66237"},{"taxonomy":"jahr","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/nl\/wp-json\/wp\/v2\/jahr?post=66237"},{"taxonomy":"land","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.troeller-deffarge.com\/nl\/wp-json\/wp\/v2\/land?post=66237"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}