Die Frauen dieser Welt
Paradies der Frauen, Hölle der Männer
Peru, 1964

Stern, Heft 45, 8. November 1964 Peru gilt in Südamerika als das Paradies der Frauen und die Hölle der Männer. In Lima hat die List der Frauen den Hahnenstolz der Herren besiegt und sich untergeordnet. Die Indianerinnen brauchen ihre Macht nicht zu erschleichen. Bei den Erben der Inkas haben Mann und Frau gleiche Rechte „Wer ist euer Ideal?“ ist eine…
Die Frauen dieser Welt (Das Thema)
Brasilien, Global, 1964

Stern, Heft 43, 25. Oktober 1964 Ich bin fünfundvierzig Bis zu meinem zwanzigsten Lebensjahr war ich Herrn Müllers Tochter. Dann wurde ich Herrn Lehmanns Frau und im Laufe der Zeit immer mehr die Mutter von Karl, Walter und Ursula. Ich bin nie ich selbst gewesen. Vielleicht kurz zwischen achtzehn und zwanzig, als ich arbeitete. Aber das waren nur Ferien. Ein…
Wie sie leben, wie sie lieben, wie sie leiden
Brasilien, 1964

Stern, Heft 44, 1. November 1964 Brasilien ist die erste Etappe auf unserer Reise um die Welt. Ein heißes Land mit schönen Frauen. Rio, Karneval, Copacabana und aufregende Mulattinnen sind die gängigen Vorstellungen. Brasilien ist aber auch ein Schulbeispiel der männlichen Vorherrschaft alten Stils. „Er hat den Spaß und sie das Kind“ – dieser Satz bestimmt bis auf den heutigen…
Moderne Vielweiberei
Mexiko, 1964

Stern, Heft 46, 15. November 1964 Den ersten Fußtritt verspüre ich an der linken Wade. Der zweite sitzt in der rechten Kniekehle. Der dritte sollte meinen Hintern erreichen, aber der eifrige Treter hat zu hoch hinausgewollt. Seine Beine sind zu kurz. Er hat das Gleichgewicht verloren und liegt am Boden. Als ich ihn am Kragen hochheben will, beißt er mir…
Gewehr, Popo und Optimismus
Kuba, 1964

Stern, Heft 47, 22. November 1964 In Kuba hat die Revolution das Los der Frauen radikal geändert. Die alten Tabus sind gefallen. Jetzt herrschen: Gewehr, Popo und Optimismus Bin ich ein Heiliger? Wenn ich ein hübsches Mädchen sehe, wandern meine Blicke von oben nach unten und verweilen immer dort ein wenig länger, wo die Formen am schönsten sind: im Gesicht,…
Hauptsache die Kurven stimmen
USA, 1964

Stern, Heft 48, 29. November 1964 Die Durchschnittsamerikanerin bricht in ihrem Leben dreimal die Ehe. Sie hat 2.04 Kinder und heiratet mit neunzehn Jahren. Mehr als ein Viertel läßt sich scheiden, davon 70 Prozent wegen mangelnder sexueller Harmonie. Sechsundzwanzig Prozent der amerikanischen Frauen gelten als frigide. Vierzig Prozent gehen mehr oder weniger unberührt in die Ehe oder heiraten den Mann,…
Zurück zu Küche und Kind
USA, 1964

Stern, Heft 49, 6. Dezember 1964 Es ist drei Uhr in Chicago. Ich bin pünktlich. Helen hat die Tür ihrer Wohnung aufgelassen, und ich bin einfach eingetreten. Frühmorgens hatte sie mich angerufen, um unsere Verabredung auf den Nachmittag zu verschieben: „Ich muß zum Psychiater. Es geht um meine Zukunft. Sei nicht böse." Ich hatte jedoch nicht geglaubt, sie in diesem…
Sexperimente
USA, 1964

Stern, Heft 50, 13. Dezember 1964 „Stimmt es, daß die Europäerin sexuell glücklicher ist als wir? Es soll sieben zu eins stehen für die europäische Frau?“ Die Frage fällt in meinen Teller, als sei sie bestimmt, das zähe Fleisch noch ein wenig geschmackloser zu machen. Betty hat sie gestellt, die sechzehnjährige Tochter des Hauses. Ich blicke hilfesuchend auf ihre Eltern,…
Frankreichs Frauen lieben anders
Frankreich, 1964

Stern, Heft 51, 20. Dezember 1964 Orly, der Flughafen von Paris, ist der Stolz der Franzosen. Alles glitzert. Und es riecht nach Paris. Nur die Zollbeamten haben heute keinen guten Tag. Sie befehlen mehr als sie bitten. „Haben sie etwas zu verzollen?“ „Nein.“ „Machen Sie mal auf.“ Der amerikanische Fluggast blickt mich hilfesuchend an. Er kann kein Französisch, und ich…
Die hohe Schule der Liebe
Indien, 1965

Stern, Heft 40, 3. Oktober 1965 Indien reicht eine beneidenswert schöne Visitenkarte in der Welt herum: Vergeistigung, Nächstenliebe, Gewaltlosigkeit, Achtung vor dem kleinsten Tier, Weisheit, Yoga, alte Kultur, große Philosophen und heilige Männer in Massen. – Es scheint die einzige Nation zu sein, der es gelungen ist, im Alltag Gut und Böse zu versöhnen. Kein Wunder also, wenn die indischen…
Die Hölle der Schwiegertöchter
Indien, 1965

Stern, Heft 41, 10. Oktober 1965 Die Hölle der Schwiegertöchter. Indiens Gesetze versprechen den Frauen Gleichberechtigung, aber das Kastensystem zwingt sie, Zärtlichkeit und Mutterliebe zu verstecken. Selbst bei reichen Leuten wird die Braut nach der Hochzeit zum Dienst Mädchen der Schwiegermutter. Vor dem Brunnen stehen zwei Kinder. Ein Junge und ein Mädchen von vielleicht fünf Jahren. Während das Mädchen sein…
Vielmännerei macht glücklich
Indien, 1965

Stern, Heft 42, 17. Oktober 1965 Seit zwanzig Minuten folge ich einer Frau. Nicht, weil sie gut aussieht und meine Blicke sich nicht von ihr losreißen können. Ihr Benehmen fasziniert mich: Sie geht in ein Geschäft, hebt den Rock hoch, erhält Geld und geht gelassen in den nächsten Laden. Dort führt sie einen obszönen Tanz auf, kassiert wiederum und trabt…
Für Erwachsene verboten
Indien, 1965

Stern, Heft 43, 24. Oktober 1965 Wir sitzen in einer kleinen Hütte im indischen Dschungel. Um uns sind nur Kinder zwischen fünf und siebzehn Jahren. Es ist Abend. Während die Kleinen in einer Ecke spielen, verteilen die Großen die Rollen für die Nacht. „Willst du heute dein Lager mit Mukwab teilen?“ fragt der Chef der Gruppe ein Mädchen von vielleicht…
Liebe ist nur Zauberei
Bali, 1965

Stern, Heft 44, 31. Oktober 1965 Den Touristen wird Bali als ein Operetten-Paradies angepriesen, mit Tempeltänzen und halbnackten Mädchen.Die indonesische Regierung will aus den Insulanern moderne, fortschrittliche Menschen machen.Die Balinesen aber leben in ihren verborgenen Dörfern wie vor 1000 Jahren: zwischen Liebe und Angst vor Göttern und Dämonen. Wenn Sie Fräulein Müller und Herrn Meier auch noch bitten, ihre paradiesischen…
Liebe in Afrika
Afrika, 1965

Stern, Heft 45 , 7. November 1965 Ich weiß nicht, ob Bernhardinerhunde manchmal so mit den Nerven herunter sind, daß sie heimlichzur Kognakflasche greifen. Mein Freund Knud sieht jedenfalls genauso aus. Sein rotbrauner Schnurrbart ist zum wilden Knäuel zusammengeschrumpft. Die aus dem offenen Hemd hervorquellenden Haare kleben an der schweißtriefenden Brust. „Kognak“, stöhnt er und läßt sich neben mich auf…
Die jungen schwarzen Mädchen
Tansania, 1965

Stern, Heft 46, 14. November 1965 Die Szene spielt sich in Mwanza ab, einer kleinen Stadt am Victoria-See. Wir sitzen im Kino und sehen einen amerikanischen Film: Eine Frau und ein Mann stehen sich gegenüber. In seinen Augen lodert das Feuer der Leidenschaft, in den ihren schimmert unverkennbar der Wunsch nach einem Brautring. Jetzt hebt er seine Hand. Langsam. Zögernd…
Hochzeit auf afrikanisch
Afrika, 1965

Stern, Heft 47, 21. November 1965 So feiert man in Afrika eine christliche Hochzeit. Nach dem kirchlichen Segen werden die Götter des Busches beschworen. Die alten Sitten leben neben dem neuen Glauben weiter Zwischen ihrer Haut und ihrem Kleid hätte keine Briefmarke mehr Platz gefunden. Die Ärmel waren zu kurz, um zwei tätowierte Zauberzeichen zu verstecken. Ihre Fußnägel glänzten gelb…
Die verratenen Frauen
Algerien, 1965

Stern, Heft 48, 28. November 1965 Algerien ist seit drei Jahren unabhängig. Nach den langen, blutigen Kämpfen war der Siegestaumel groß. Auch für die Frau schien die Zeit der Freiheit angebrochen zu sein. Sie hatte mitgekämpft. Viele waren gefoltert worden, vergewaltigt, umgebracht. Die Freiheitskämpferinnen wurden als Heldinnen der Revolution gefeiert. Aber die Ernüchterung ließ nicht lange auf sich warten. Im…
Das verfluchte Geschlecht (Frauen in islamischen Gesellschaften)
Global, 1965

Stern Heft 49, 05. Dezember 1965 Die Welt des Islams, eine halbe Milliarde Menschen: Mehr als die Hälfte dieser Menschen leben heute noch wie Sklaven: die Frauen. Jeder Mann kann vier heiraten und sich so viele Konkubinen halten, wie er will. Die Frau aber muß keusch sein bis zur Ehe und treu bis ins Grab. Sie muß ihre Formen verhüllen…
Sündenbabel für Touristen
Thailand, 1966

Stern, Heft 28, 10. Juli 1966 Von ihrer Reise um die Welt berichten Gordian Troeller und Claude Deffarge über das Los der Frauen in aller Herren Länder. Wie sie leben – wie sie lieben – wie sie leiden. Der STERN veröffentlichte bereits mehr als 20 dieser Reportagen – aus Amerika, Afrika, dem Orient und Indien. Jetzt setzen Gordian Troeller und…
Das ist die Liebe der Chinesin
China, 1966

Stern Heft 29, 17. Juli 1966 Der Gedanke, allein durch China zu reisen, läßt mein Herz doch etwas schneller schlagen. Gordian Troeller mag mir noch so gut zureden und abermals alle Gründe aufzählen, die für diesen Alleingang sprechen. Mir ist unheimlich zumute, ins Riesenreich Mao Tse-tungs zu fahren – allein unter siebenhundert Millionen Chinesen. „Eine Frau – besonders eine Französin…
Angst vor der Liebe
China, 1966

Stern, Heft 30, 24. Juli 1966 Fräulein Han trägt eine weiß-rot karierte Hose, eine gelbe Bluse und schwarze Samtpantoffeln. Ihre Zöpfe reichen bis zu den Hüften. Als sie sich mir zuwendet, fliegen die Zöpfe wie zwei Besen durch die Luft. „Ja, Sie haben richtig gehört“, sagt die junge Chinesin. „Wir erziehen unsere Eltern. Besonders die Mütter. Viele müssen noch lernen,…
Die ideale Geliebte
Japan, 1966

Stern, Heft 31, 31. Juli 1966 In Japan werden Lust und Vergnügen nicht als Übel oder Schwäche verdammt. Physische Freuden werden ausgekostet wie alles Schöne im Leben – sie müssen sogar kunstvoll gespendet und empfangen werden. Auch den offenen Kampf der Geschlechter gibt es nicht. Jede Frau lernt bereits als Kind, daß sie für den Mann geschaffen wurde. Ihm zu…
Geishas küssen auch
Japan, 1966

Stern, Heft 32, 7. August 1966 Geishas sind beseelte Puppen, aufgemacht und bemalt, um die Märchenatmosphäre eines verlorenen Paradieses zu schaffen. Wer nicht zu den Eingeweihten eines Teehauses gehört, kann ihnen nur auf der Straße begegnen. Ehefrauen werden abends allein gelassen. Selbst junge Mütter leben auf der Schattenseite des Nachtlebens. Heute hätte ich in den Boden versinken können. In Kyoto,…
Die Rasse der Sonne
Japan, 1966

Stern, Heft 33, 14. August 1966 Rasse der Sonne nennt man Japans junge Generation, die sich vom traditionellen Leben losgerissen hat und moderne Wege sucht. Vor allem in der Liebe. In dunklen Jazz-Kellern kostet Japans Jugend ihre neue Freiheit aus. Oft beseitigt Rauschgift letzte Hemmungen. Tokio. Ein Jazzkeller für junge Leute. Schallplattenmusik, Surrealistische Dekoration. Ungefähr fünfzig Jungen und Mädchen. Wir…