Der Ministerpräsident des Iran, Mohammad Mossadegh, hatte 1951 begonnen, das Erdöl zu verstaatlichen. Die westlichen Industrienationen, allen voran Großbritannien und die USA, reagierten mit Boykott. Im Land breiteten sich Unruhen aus. Es gab starke politische Differenzen zwischen dem Schah, der von den Amerikanern gestützt wurde, und Mossadegh, der den aus dem Erdöl stammenden Reichtum des Landes nicht an ausländische Ölgesellschaften verlieren wollte. Der Schah musste 1953 sogar ins Ausland flüchten. Der zweite Nord-Südkonflikt zeichnete sich ab.
Den ersten hatte Mexiko ausgelöst. Dessen Präsident Cárdenas hatte 1938 die bis dahin im US-amerikanischen und britischen Besitz befindliche Erdölindustrie nationalisiert, und Mexiko wurde boykottiert. Es konnte nur überleben, weil Hitlerdeutschland das Erdöl brauchte und sich bereiterklärt hatte, einen erhöhten Preis zu zahlen.
Also, auf nach Persien. Die Voraussetzungen für ein Gelingen unseres Vorhabens waren ausgezeichnet. Abdolhassan Diba, der Halbbruder des Regierungschefs Mossadegh, hatte Marie- Claude einmal in Paris tanzen gesehen. Daraufhin hatte er sie eingeladen, in seinem Hotel in Teheran aufzutreten. Er stellte uns Mossadegh vor, und wir konnten aus erster Hand berichten.
Wir wohnten zunächst in Dibas Hotel, dem Parkhotel. Dann lud uns ein anderer Bekannter, Ahmed Amini, zu sich nach Hause ein. Die Aminis waren wichtige Politiker. Einer der Brüder war mehrere Male Premierminister gewesen, ein anderer Präsident des Parlaments. Ahmed fiel aus der Rolle, er war Künstler, Maler. Bei ihm wurde ich Zeuge der amerikanischen Einmischung.
Aber zunächst eine Anekdote, die persische Verhältnisse deutlich machen kann: Diba und Ahmed Amini liebten dieselbe Frau: die Ehefrau Dibas. Sie pendelte unentschieden zwischen beiden hin und her. Schließlich entschied sich Diba, die Sache mit Gewalt zu beenden. Er führte alle seine Angestellten vor Aminis Haus und befahl ihnen, dieses zu stürmen. Sie stiegen über die Gartenmauer und wurden von Aminis Bediensteten empfangen. Möbel flogen, Köpfe bluteten, doch keiner der Herren mischte sich ein. Diba stand auf der Mauer und feuerte seine Leute an, während Amini das gleiche aus einem Fenster des Hauses tat. Ergebnis: unentschieden. Diba zog mit seinen Leuten wieder ab. Seine Frau zog nach Paris, wo sie von beiden Herren großzügig ausgehalten wurde. Fremde Länder – fremde Sitten.
Die USA wollten 1953 den Schah wieder in seine alte Machtposition einsetzen, um die Verstaatlichung der Erdölvorkommen rückgängig zu machen. An Geld sollte es nicht fehlen. Damit wollten sie einen Bruder Ahmed Aminis, einen General, dazu bewegen, durch einen Militärputsch die Macht zu ergreifen. Die Millionen Dollar waren bei Ahmed hinterlegt, denn sein Bruder schien bereit, die Armee zum Putsch zu bewegen. Aber dann lehnte dieser Bruder plötzlich ab und verschwand – aus Angst vor Repressalien – nach England. Niemand wird es glauben, aber Ahmed hatte das Geld unter meinem Bett versteckt. Ich schlief also, ohne es zu wissen, auf den Bestechungsmillionen.
Ein General, dessen Namen ich vergessen habe, akzeptierte dann den Handel und ließ das Geld abholen. Er stürzte Mossadegh, übernahm die Macht und ließ den Schah wieder ins Land kommen.
Die Tudehpartei, die iranischen Kommunisten, hatte das vorausgesehen und Mossadegh gewarnt. Sie forderte, er solle sie bewaffnen, denn nur so könne der Staatsstreich verhindert werden. Mossadegh lehnte jedoch ab.
Die Offiziere, die den Putsch mitgemacht hatten, waren cash bezahlt worden und ließen in Taxis, Restaurants und Bordellen die Dollars springen. Eine Politik-Komödie, wie sie in einer Bananenrepublik nicht grotesker hätte stattfinden können.
Noch grotesker: Der neue Machthaber hatte sich von Ahmed Amini zum Essen einladen lassen, um über die Zukunft von dessen Bruder zu beraten, der es abgelehnt hatte, den Putsch zu führen. Am Tag zuvor forderte Ahmed uns auf, unsere Kameras und alles Wertvolle gut zu verstecken oder besser noch außer Haus zu bringen. Wir fragten, warum. „Weil die Leibwächter des Generals sich ungeniert bedienen werden.“ Das gehörte zu den Privilegien der Macht.
So etwas erlebten wir auch später noch einmal: Wir waren bei Freunden eingeladen, denen der Schah seinen Besuch angekündigt hatte. Sie brachten ihre wertvollen Bilder und alles, was dem Herrscher gefallen könnte, in den Keller. Warum? „Wenn der Schah vor einem Objekt stehen bleibt und es lange ansieht, muß man es ihm schenken. Sagt er etwa ‚Das gefällt mir.’, muß man es ihm sofort geben.“
Ich hatte einen Bruder des Schahs kennengelernt. Der nahm mich eines Tages zu einer Party im Palast mit. Die Gesellschaftsspiele hatten es in sich. Da wurden zum Beispiel die Frauen gebeten, sich in einen Schrank zu stellen. Daraufhin wurden die Männer aufgefordert, deren Beine zu begrapschen, um herauszufinden, zu wem diese gehörten. Oder Männer und Frauen stellten sich in einer gemischten Reihe auf. Der vorderste Mann drückte einen Tennisball mit dem Kinn auf seine Brust. Ohne die Hände zu benutzen, mußte die neben ihm stehende Frau versuchen, diesen von dort unter ihr Kinn zu holen. Meist rutschte der Ball in ihr Décolleté, und der Mann gab sich Mühe, ihn wieder unter sein Kinn zu bekommen. Dabei wurden die Brüste der Frauen oft leidenschaftlich beleckt.