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Vorwort

Als Gordian Troeller mit 83 Jahren begann, diese Autobiographie zu schreiben, fühlte er sich schwach und litt unter Gleichgewichtsstörungen. Seine Krebserkrankung war noch nicht diagnostiziert, aber eins war klar: Er konnte die schwere Kamera – seine geliebte 16 mm Eclair – nicht mehr tragen. Er konnte nicht mehr reisen, keine Filme mehr machen. Das deprimierte ihn zutiefst. Der Film war sein Ausdrucksmittel geworden, und nun sollte er plötzlich nichts mehr sagen können?

Im Herbst 2000 setzte er sich an seinen alten Mac SE und schrieb diesen Text in wenigen Wochen direkt in den Computer – danach sah er die Seiten nie mehr an. Solange er sich noch gesund fühlte, hatte er jeden seiner Texte mit der Hand geschrieben und mehrere Male handschriftlich überarbeitet, bevor er ihn abtippte und anderen zur Kritik vorlegte. Mir erschien dieses Schreiben als ein Aufbegehren gegen Krankheit und Tod. Auch die Wahl des Arbeitstitels „Ein Glückspilz entdeckt die Welt“ zeugt davon.

Nur auf Drängen von Freunden, die einen kleinen luxemburgischen Verlag gefunden hatten, schloß er zwei Jahre später einen Vertrag zur Drucklegung ab. Mir übertrug er darin (ohne mich zu fragen) die Überarbeitung des Manuskripts.

Am 22. März 2003 ist Gordian Troeller gestorben.

Vier Jahre nach seinem Tod – nachdem sich die Zusammenarbeit mit dem Verlag endgültig zerschlagen hatte – nahm ich die Überarbeitung allein in die Hand.

Ich habe den Text gegliedert und Kapitelüberschriften eingeführt. Gordian Troeller benennt im Manuskript nur die Titel von „Stern“-Reportagen und Filmen, die er als Zitate anführen möchte. Ich habe diese Texte, soweit es möglich war, gekürzt und eingefügt. Die Filmkommentare habe ich so verändert, daß der Bildbezug für den Leser im Text nachvollziehbar wird. Zu manchen Namen und historischen Ereignissen habe ich Erklärungen hinzugefügt, die dem Leser das Verständnis erleichtern sollen. Ich habe das Manuskript mit Vorsicht bearbeitet und darauf geachtet, den Ton nicht zu verändern.

Gordian Troeller will mit dieser Biographie keinen Einblick in sein Privatleben geben. Es geht ihm darum zu zeigen, wie er zu seiner Sicht der Welt gekommen ist. Er will resümieren, welche Erlebnisse und Erfahrungen ihn zu „seinem Thema“ gebracht haben: der Kritik am westlichen Ethnozentrismus und der Darstellung der verheerenden Auswirkungen unserer Entwicklungsmodelle – in anderen Kulturen wie auch bei uns selbst. 

Hamburg, Mai 2008 Ingrid Becker-Ross-Troeller

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