Reportagen

Viel Sonne, wenige Peseten

Stern, Heft 38, . September 1959 Stierkampf. Glühende Sonne über der Arena, in der stolze Toreros den blutigen Tod herausfordern. Lange Siestas am Strand im Schatten duftender Myrten. Wirbelnde Kastagnetten zum aufpeitschenden Flamenco, der in andalusischen Nächten das Blut zum Kochen bringt. Schwarze Fächer und rote Nelken: Das ist in Spa...

Franco kommt

Stern, Heft 39, am 26, September 1959 Überall in Barcelona begegneten wir der Unzufriedenheit. Die Männer der Untergrundparteien sprachen heimlich mit uns über ihre Opposition gegen Franco. Die Bürger sagen es recht offen in Cafés und auf der Straße. Die Jugend, sie schrie es aus vollem Halse. "Sag deinen Lesern, sag der ganzen Welt, dass ...

Hochzeit in Andalusien

Stern, Heft 40, 3. Oktober 1959 In Jerez de la Frontera, der Hochburg des andalusischen Weines, erleben Sternreporter ein Fest der reichen Leute. „Wo in Europa, kann man so gut leben wie hier in Spanien." Diesen Satz bekamen wir immer dann zu hören, wenn wir mit guten spanischen Bürgern zusammentrafen, die sich gar nicht oder nur wenig um ...

Kein Platz an Spaniens Sonne

Stern, Heft 41, 10. Oktober 1959 Für Peseten kann man alles kaufen – aber Peseten zu haben, ist das Privileg jener wenigen Auserlesenen, die an der Macht sind und diese Macht ausnutzen, um noch reicher zu werden. Madrid, Barcelona, Valencia, alle Prunkstädte Spaniens sind die Symbole dieser Zusammenballung von Kapital, das man unerbittlich aus...

Kanzel, Tasca und Arena

Stern, Heft 42, 17. Oktober 1959 "Ich bin Zigeunerin reinster Rasse. Hier, sieh meine Haut, meine Augen, meine Haltung." Pepita strafft ihre Gestalt. Sie spannt ihre Hüften und wird in einer Sekunde zum Urbild der Zigeunerin, deren Silhouette den Frauentyp ganz Spaniens über Jahrhunderte geformt hat und heute noch bestimmt. Wie bei uns d...

Unser Nachbar Frankreich I

Stern, Heft 25, 1. Juli 1962, 60 Pfennig Vor unserer Tür zerfällt eine Demokratie: Frankreich. Das Talent seiner Künstler, die Brutalität seiner Folterknechte, der Humanismus seinerDenker, die Kaltblütigkeit seiner Mörder machen Frankreich heute  zum Mittelpunkt der Gewissenskrise, die unsere ganze freie Welt durchdringt. Wie leben unsere...

Unser Nachbar Frankreich II

Stern, Heft N ummer 27, 8. Juli 1962, 60 Pfennig „Ich bin zum Tode verurteilt.“ „Seit wann?" „Seit vierzehn Tagen. Hier ist das Urteil. Es wurde an meinen Sohn in Paris geschickt.“ Wir sitzen in Marseille in einer Taxe. Der alte Herr zieht ein Papier aus der Tasche. Links oben steht: Organisation Armée Secrète, OAS. Der Text lautet: „Mo...

Eine kleine Stadt in Frankreich III

Stern, Heft 30,  29. Juli. 1962, 60 Pfennig „Der Baum muss weg.“ „Der Baum bleibt stehen.“ „Dann komme ich nachts mit der Axt.“ „Nur über meine Leiche.“ „Vater, wir sind im 20. Jahrhundert!“ „Kein Grund, um nicht zu gehorchen.“ „Der Traktor hat das letzte Wort. Er muss durch.“ „Hier nicht. Der Baum bleibt.“ „Weil der Dragoner darunter liegt?“ „Gen...
Liebe in Frankreich IV

Liebe in Frankreich IV

Stern, Heft 29, 22. Juli. 1962, 60 Pfennig „Mein Auto für diese Frau.“ „Welche?“ „Die nackte…“ „Sie sind alle nackt, mehr oder weniger.“ „Na, die nackteste. Die ganz links mit den Pfundshüften.“ „Nicole?“ „Was heißt Nicole? Du kennst sie?“ „Warum nicht?“ „Angeber.“ „Ich kenne die ganze Familie.“ Mein Freund Wolfgang kratzt sich am Kopf. Er sche...

Weg mit den Alten! V

5Stern, Heft 28, 15. Juli 1962, 60 Pfennig Der „Platz des Theaters“ liegt wie ein großes Schiff im Zentrum von Montpellier. Es ist der größte Kindergarten, den ich kenne. Die Kinder sind schon etwas alt. Sie lutschen nicht mehr an Schnullern. Sie trinken Wein, Whisky, Pernod oder Coca-Cola. Ihre Gouvernanten sind Kellner, ihre Kinderwagen Motorr...

Unser Nachbar Frankreich VI

Stern, Heft 31, 5. August 1962 Kein Volk hat im zwanzigsten Jahrhundert so lange Krieg geführt wie die Franzosen. Seit 1939 ohne Unterbrechung. Jetzt ist der Krieg zu Ende. Zum ersten Mal seit dreiundzwanzig Jahren kann Frankreich sich unbeschwert seinem dringendsten Problem zuwenden: sich selbst. Was andere Völker in Angriff nehmen konnten, a...

Im Karibischen Paradies ist der Teufel los

Stern, Nummer 42,  7. Mai 1961, 60 Pfennig Fidel Castro hat gesiegt. Der schnelle Zusammenbruch der Invasion (in der Schweinebucht 1961) zeigt, daß der bärtige Regierungschef die Mehrheit des Volkes hinter sich hat. Allen, deren Denken nicht von Wunschträumen bestimmt wird, war dies bekannt. Umso erstaunlicher ist es, daß Washington eine...

In Haiti

Stern“, Heft 20,  14. Mai 1961, 60 Pfennig „He Mister, Sie brauchen einen Führer durch Haiti.“- „He Mister, Sie brauchen einen Hut.“- „Schöne Mahagoniteller bitte, Hand gemacht“ - „Mister, kommen Sie mit mir, ich hab' sehr schöne Schwester.“ - „Ich hab' kleinen Bruder, Sir.“- „Gib mir einen Nickel, Johnny.“ - „He Mister, ich kenne die ...

In Costa Rica und Panama

Veröffentlicht in "Stern", Nummer 22, am 28. Mai 1961 Carlos hatte zwei Beine, zwei Arme, eine Nase, zwei Augen. Er hatte richtige Ohren und fünf Finger an jeder Hand. Auch seine Kleidung war wie die der anderen. Ein verschwitztes Hemd, zerfranste Hosen, ein Strohhut für sechzig Pfennig und zwei spitze Schuhe ohne Schnürsenkel. Und doch hat...

In Venezuela

Veröffentlicht in „ Stern“, Nummer 23, am 4. Juni 1961 Die Stewardess zieht den Tisch aus der Rückenlehne des Vordersitzes und befestigt ihn über meinen Knien. „Was gibt es?" frage ich. „Hummer." „Ach, schon wieder." Neben mir macht Claude Deffarge eine Grimasse, die man auch nicht gerade als feinschmeckerisch bezeichnen kann. Sind w...

In Nicaragua

Stern, Heft 21, 21.Mai 1961, 60 Pfennig Zwei nackte Füße hingen neben meinen Ohren. Der Fluggast, der hinter mir schnarchte, hatte es sich bequem gemacht, indem er seine Beine über meine Rückenlehne baumeln ließ. Indianerfüße sind etwas faszinierendes. Sie reagieren gar nicht wie die unseren. Ich versuchte es zunächst mit etwas einfachem Kitzeln...

Gefangen in Havanna

Veröffentlicht im „Stern“, Nummer 48, am 2. Dezember 1962 Während der Sowjetfrachter „Kolchosnik“ mit Waffen und Schnellbooten für Kuba vor der amerikanischen Blockade kehrtmachte, flogen Sternreporter ins Herz der Krise. Nach Havanna. Sie wurden verhaftet. Nach ihrer Freilassung berichten Gordian Troeller und Claude Deffarge: Diesmal hatten wir...

Ein Tag wischt 1000 Jahre aus

Veröffentlicht in "Stern", Nummer 42, am 21. Oktober 1962 Die Sternreporter Gordian Troeller und Claude Deffarge waren die ersten ausländischen Reporter in der Republik Jemen. Sie flogen nach Aden, der britischen Kronkolonie am Roten Meer. Dort mieteten sie einen Jeep und fuhren ohne Visum, über Stock und Stein, ins „Verbotene Land“. Die Re...

Ein Kriegsbericht aus dem Mittelalter: Turban knackt Panzer

Veröffentlicht in "Stern", Nummer 22, am 2. Juni 1963 Zu Fuß, auf Kamelen und Eseln durchquerten die STERN-Reporter Gordian Troeller und Claude Deffarge das Kriegsgebiet im nördlichen Jemen. Aus dem benachbarten Saudi-Arabien kabelte Gordian Troeller einen ersten Bericht über den Kampf zwischen Truppen des zwanzigsten Jahrhunderts und Partisanen des...

Ein Kriegsbericht aus dem Mittelalter: Nieder mit Nasser

Veröffentlicht in "Stern", Nummer 27, am 7. Juli 1963 Im Jemen ist Krieg. Vor neun Monaten verjagten republikanische Offiziere den jungen König, den Imam El Badr, und ergriffen mit Hilfe ägyptischer Soldaten die Macht. Der gestürzte Imam organisierte den Widerstand im Norden des Landes mit Unterstützung Saudi-Arabiens. So ist der Jemen zu e...

Ein Kriegsbericht aus dem Mittelalter: Eine Höhle für den König

Veröffentlicht in "Stern", Nummer 28, am 14. Juli 1963 Vor der Höhle, in der ich – in Schafsfelle gewickelt – mein Fieber hüte, geht es geheimnisvoll zu. Barfüßige _ Krieger schleichen am Eingang vorbei und blicken sehnsuchtsvoll ins Innere. Wenn sie stehenbleiben, werden sie von den Wachen davongejagt. Auch Abdullah, ein Mann unserer ...

Ein Kriegsbericht aus dem Mittelalter: Eine Frau ist nicht genug

Veröffentlicht in "Stern", Nummer 29, am 21. Juli 1963 „Wenn Esel Räder hätten.“ „Und Ziegen Stiefel.“ „Wenn Kamele fliegen könnten.“ „Und Steine singen.“ „Wenn es überall Drähte gäbe, mit Licht und Stimmen.“ „Und niemand mehr krank wäre, wie jetzt dieser Fuß.“ „Ja – wenn alles anders wäre …“ „Was dann?“ frage ich, „was dan...

Wer Sanaa stürmt, darf plündern

Veröffentlicht in "Stern" Nummer 3, am 21. Januar 1968 Fünf Jahre tobt der Bürgerkrieg im Jemen. Fünf Jahre lang unterstützten ägyptische Truppen die Republik gegen ihre royalistischen Feinde. Nach ihrer Niederlage gegen Israel mußten die Ägypter abziehen. Jetzt ist die Republik allein. Sanaa ist umzingelt. Royalistische Krieger beherrschen die Ber...

Durchs blutige Kurdistan

Veröffentlicht in „Stern“ Nummer 3, am 19. Januar 1964 Es geht auch ohne Gaskammern und Genickschüsse. Um ein Volk zu ermorden, genügen Düsenbomber gegen schutzlose Dörfer, Panzer gegen Frauen und Kinder, Hunger in Kälte und Schnee - gegen zwei Millionen Kurden, die im Norden des Irak leben. - Ihr Verbrechen? Der Wunsch nach Selbstbestimmung. Sonst nic...

Durchs blutige Kurdistan - Wir marschieren auf Bagdad

Veröffentlicht in „Stern“ Nummer 4, am 26. Januar 1964 Im Irak ist Krieg. Die Kurden, die ein Drittel der Bevölkerung ausmachen, kämpfen für Selbstbestimmung, für ein autonomes Kurdistan. Sie wollen eigene Schulen in ihrer Sprache, eigene Verwaltung und aktive Beteiligung an der Regierung in Bagdad. Seit zwei Jahren halten schlecht ausgerüs...

Mit Sklaven unterwegs

Veröffentlicht in "Stern", Nummer 14, am 5. April 1964 Über eine Million Menschen leben heute noch als Sklaven. In Afrika, in Asien. Teils gezwungen, teils freiwillig. Wie sie leben, schildert dieser Bericht. Ich habe sie gesehen und mit ihnen gesprochen: Sklaven – Männer und Frauen, die wie Haustiere einem anderen Menschen gehören. Kinde...
Die hohe Schule der Liebe (Indien)

Die hohe Schule der Liebe (Indien)

Veröffentlicht in Stern, Nummer 40, 3. Oktober 1965, 80 Pfennig   Indien reicht eine beneidenswert schöne Visitenkarte in der Welt herum: Vergeistigung, Nächstenliebe, Gewaltlosigkeit, Achtung vor dem kleinsten Tier, Weisheit, Yoga, alte Kultur, große Philosophen und heilige Männer in Massen. – Es scheint die einzige Nation zu sein, ...

Für Erwachsene verboten (Indien)

Stern, Heft 43, 24. Oktober 1965 Wir sitzen in einer kleinen Hütte im indischen Dschungel. Um uns sind nur Kinder zwischen fünf und siebzehn Jahren. Es ist Abend. Während die Kleinen in einer Ecke spielen, verteilen die Großen die Rollen für die Nacht. „Willst du heute dein Lager mit Mukwab teilen?“ fragt der Chef der Gruppe ein Mädchen von viell...

Hier dürfen Araber Neger morden (Südsudan)

Erschienen in „Stern“ Nummer 17, am 23. April 1967 Gordian Troeller und Claude Deffarge gelang es als ersten Reportern zu den Freiheitskämpfern im sudanesischen Busch vorzudringen. Sie begleiteten sie auf der ständigen Flucht vor den arabischen Regierungstruppen, die hier einen grausamen Vernichtungskrieg führen, von dem die Welt nichts weiß. ...

Blutrausch am Niger (Biafra/Nigeria)

Veröffentlicht in „Stern“ Nummer 41, am 8. Oktober 1967 Nigeria - mit 56 Millionen das meistbevölkerte Land Afrikas - war das Musterbeispiel der englischen Entkolonialisierung. Es sollte das demokratische Vorbild ganz Afrikas werden. Jetzt tobt dort ein Bürgerkrieg. Die Provinz Biafra hat sich für unabhängig erklärt. Grausam und blutig vollzieht...

Nächte ohne Pardon (Palästina)

Veröffentlicht in "Stern", Nummer 11, am 13. März 1969 Im Nahen Osten droht ein neues Vietnam. Nacht für Nacht dringen Kommandos der Untergrundorganisation El-Fatah in Israel und die besetzten Gebiete ein. Die Partisanen nennen sich Fedajin, „die Opferbereiten“. Ihre Verluste sind hoch. Dennoch bilden sie heute für Israel eine größere Gefahr al...

Die Revolte der Sklaven (Dhofar/Oman)

Veröffentlicht in "Stern", Nummer 31, am 3. August 1969 Im unzugänglichen Teil der arabischen Halbinsel tobt ein unbekannter Krieg. Guerillas kämpfen in der Gluthitze Südarabiens gegen feudale Stammesfürsten, Sklavenhalter und britische Söldnertruppen. Das Ziel der Rebellen: die Eroberung des Persischen Golfes mit chinesischen Waffen. Als e...

Wie sie getäuscht werden

Interview, erschienen im Mai 1966 in „deutsches panorama“ Das Gespräch führt der Chefredakteur Gert von Paczensky Die deutsche Presse blickt nur selten hinter die Kulissen des Krieges in Vietnam. Was spielt sich in Vietnam wirklich ab? „deutsches panorama“ befragte einen der wenigen Experten: den gerade vom Kriegsschauplatz zurückgekehrten „stern"-Re...

Aufstand gegen den Krieg

Erschienen in „Stern“ Nummer 23, am 5. Juni 1966 Der Krieg in Südvietnam wird immer grotesker. In der nördlichen Hafenstadt Da Nang kam es zum „Krieg im Krieg“: Regierungschef General Ky musste eine einwöchige blutige Schlacht gegen seine eigenen Truppen führen. Buddhisten und die Garnison von Da Nang hatten gegen einen Krieg rebelliert, der immer s...

„Schreibt, dass Vietnam verblutet“

Veröffentlicht in „Stern“ Nummer 24, am 12. Juni 1966 STERN hatte seine Reporter Gordian Troeller und Claude Deffarge nach Vietnam geschickt, um die Geschichte eines kleinen Dorfes zu schreiben: Wie es lebt und wie es leidet zwischen den Fronten der Kriegsführenden. Unsere Reporter flogen in einen Hexenkessel. Sie waren wenige Stunden in Da...

Ein Schah, drei Kaiserinnen – und was dahinter steckt I

Stern, Heft Nummer 43, 22. Oktober 1960, 50 Pfennig Ein Schah schreibt Memoiren Eine Kaiserin gebiert ein Kind Alle Welt blickt nach Persien Aber das Volk Hunger Not Das Regime reagiert mit Gewalt Das Land wird ausgebeutet   Der Schah, drei Kaiserinnen und die Wirklichkeit Der Rummel um Persien erreicht in diesen...

Ein Schah, drei Kaiserinnen – und was dahinter steckt II

Stern, Heft Nummer 44, 229 Oktober 1960, 50 Pfennig Der Schah schreibt: „Meine Einsamkeit ist dadurch vertieft, dass ich es ablehne, Ratgeber zu fragen und gewillt bin, mir selber die letzten Entscheidungen vorzubehalten. Außer einigen unbedeutenden Worten erwähne ich Staatsgeschäfte nicht einmal von meinen Verwandten und intimsten Freunden.“ Deutlicher kann e...

Ein Schah drei Kaiserinnen und was dahintersteckt III

Stern, Heft 46, 12. November 1960, 50 Pfennig Mohammed Resa Schah, der Kaiser von Persien, hat persönlich die Stern-Berichte über sein Land bestätigt. In einem ausschließlich für Deutschland bestimmten Interview gibt der Schah das wirtschaftliche Chaos in seinem Land zu. Um die von uns beschriebenen Missstände zu beheben, verspricht er: s...

Verlobung in Teheran

Stern, Heft 49, 5. Dezember 1959, 50 Pfennig Verlobung in Teheran „Der Hofminister hat das Vergnügen, dem Volk die Verlobung seiner Kaiserlichen Hoheit Mohammed Reza Schah Pahlewi mit Fräulein Farah Diba mitteilen zu können.“ Farah Diba steht wie versteinert da. Nur ihr Gesicht verrät den inneren Aufruhr, ihre Augen müssen gegen die Trän...

Und das vor unserer Tür

Stern, Heft 13, 26. März 1960 Dies ist eine Reportage über Sizilien. Aber Sie werden vergebens darin nach Sonne und dem Frühling suchen, den uns die Reiseprospekte verheißen. Es ist ein schrecklicher Bericht über eine Welt, deren Elend zum Himmel schreit. Und das geschieht nicht fern in Indien oder im Innern Afrikas, sondern in einem christlich-demokratisch regi...

Wer redet, hat sein Leben verwirkt

Stern, Heft 14,  2. April 1960 „Herr Ausländer, he, Herr Ausländer!“ Der geflüsterte Ruf muß mir gelten, denn wer könnte in dieser düsteren Straße, um diese Zeit noch so angesprochen werden. Ich drehe mich um. „Hier, Herr Ausländer, hier.“ Aus einem düsteren Hauseingang ragt ein Arm heraus, daran hängt eine Hand, die ganz eindeutig, fast be...

Blut ist billiger als Geld

Stern Heft 15,  9. April 1960 Für den Westen mag es unbequem sein, zuzugeben, daß es ein menschliches und politisches Verbrechen ist, jene materiell und moralisch zu unterstützen, die auf Sizilien ausbeuterisch Armut schaffen und sich dabei unseres Namens bedienen. Menschlich, weil die Not mordet. Politisch, weil das Elend zum Kommunismus tre...

Die Maffia regiert Sizilien

 Stern, Heft 16,  16. April 1960, 50 Pfennig Durch die Weltpresse ging vor kurzem die Meldung, daß vier Mönche eines sizilianischen Kapuzinerklosters wegen Erpressung, Mithilfe bei Morden und Brandstiftung verhaftet worden sind. Die Stern-Reporter Gordian Troeller und Claude Deffarge besuchten diese Mönche zehn Tage vor ihrer Verhaftung. Dies...

Morgen stürmen wir Rio

Veröffentlicht in "Stern", Nummer 6, am 11.Februar1962 Ein Großgrundbesitzer im Nordosten Brasiliens wurde unterrichtet, daß einer seiner Bauern ein paar Nahrungsmittel gestohlen habe. Er ließ ihn ausziehen, mit Honig bestreichen und auf einem Ameisenhaufen festbinden. Ein anderer Herr großer Ländereien bestrafte einen Landarbeiter, indem...

Bauernmord mit Wirtschaftshilfe

Veröffentlicht in „Stern“, Nummer 9, am 18. Februar 1962 Drei Milliarden Mark von den USA. Zweihundert Millionen von der Bundesrepublik. Hundert von Frankreich. Das ist Wirtschaftshilfe für Brasilien. Sie soll sozialen Wohlstand schaffen und das Land dem Westen erhalten. Die Schlacht um Lateinamerika hat begonnen. Viel Geld gegen Castro und s...

Wer leben will, muss spielen

Veröffentlicht in „Stern“, Nummer 8, am 25.Februar 1962 Er stürmt aufgeregt in mein Zimmer: „Kannst du Cha-Cha-Cha tanzen?" will er wissen. Schon wieder Antonio. Seit einer Woche sehe ich ihn jeden Tag. Ein großartiger Kerl. Junger Journalist. Kennt Gott und die Welt. Aber diesmal störte er mich wirklich. Noch nie hat mir Fotografieren soviel Sp...

Geld macht weiß

Veröffentlicht in "Stern", Nummer 9, am 4. März 1962 Sie heißen Wolfgang, Hans, Sepp, Karl und Franz. Ihre wuchtigen Nacken haben sich vorsichtig in den Raum geschoben. Die gebrechlichen Bänke haben unter ihrem Gewicht geächzt. Die Trommeln haben zwei Takte ausgelassen. Die Engel sind etwas erschrocken. Aber jetzt ist alles wieder wie vorh...

Mit Geld gegen Kennedy

Veröffentlicht in „Stern“, Nummer 10, am 11. März 1962 Willy Lupion liebt keine Besen. Besonders keine politischen Besen. Deshalb sprang er schnurstracks über den Ozean, als Präsident Janio Quadros vor einem Jahr in Brasilia einzog und das große Reinemachen losging. In der Schweiz stieß Willy zu den bereits vorausgeschickten vierhundert Millionen...

Die Revolte begann im Kino

Veröffentlicht in „Stern“, Nummer 16, am 19. April 1964 Meuternde Matrosen, ein Menschenknäuel unter einem großen Tuch, warten auf die Salve des Erschießungskommandos. Eine Szene aus dem berühmten sowjetischen Film „Panzerkreuzer Potemkin“. Brasilianische Matrosen sahen den Film - und meuterten. Sie glaubten sich - wie die russischen Matrosen im ...